Häftlinge aller Art
In den Konzentrationslagern gab es sechs verschiedene Häftlings- kategorien, die durch verschiedenfarbige, auf der linken Brustseite und auf dem rechten Hosenbein'zu tragende Dreiecke kenntlich gemacht waren.
Die politischen Häftlinge trugen ein rotes Dreieck, die Gewohnheits- verbrecher ein grünes, die„Asozialen“ ein braunes oder schwarzes, die Homosexuellen ein rosafarbiges, die Emigranten ein blaues und die Anhänger'der Sekte„Ernste Bibelforscher“ ein violettes. Die Drei- ecke der jüdischen Gefangenen waren mit einem gelben Dreieck unterlegt. Fluchtverdächtige trugen außerdem auf Rücken und Beinen eine kleine, rote, weiß unterlegte Kreisscheibe, die in Isolierbaracken gehaltenen Häftlinge eine ebensolche schwarze. Die Stuben- und Barackenältesten waren durch eine schwarze, die„Capos‘“(Vor- arbeiter) durch eine gelbe Armbinde gekennzeichnet. Über dem Drei- eck auf Brust und Hosen waren Leinenstreifen mit der Häftlings- nummer aufgenäht.
Diese Abzeichen, ebenso wie die einheitlichen, blaugrau gestreiften Sträflingsuniformen wurden erst im Jahre 1938 allmählich eingeführt. Bis dahin trugen die Gefangenen alte Polizeiuniformen, feldgrau oder ‚bunt, mit farbigen Abzeichen, die man mit Olfarbe auf die Kleider schmierte! Im späteren Verlauf des Krieges konnte das Dritte Reich den Stoff für die Sträflingskleider nicht mehr aufbringen. Fast das ganze Lager Dachau wurde in Zivilkleider gesteckt, die man Ver- urteilten vor ihrer Hinrichtung und Juden vor ihrer Ermordung ab- genommen hatte. Mehrere tausend Garnituren waren erforderlich, — es waren mehr als genug vorhanden!
Die zahlenmäßige Stärke dieser sechs Häftlingskategorien war zu ver- schiedenen Zeiten und in den verschiedenen Lagern sehr verschieden. In Dachau überwogen stets die„Roten “, ausgenommen vielleicht die Zeit, wo burgenländische Zigeuner in großen Massen als„Asoziale“ eingeliefert wurden. Andere Lager, zum Beispiel Mauthausen in Ober- österreich und Flossenbürg in der bayrischen Pfalz, waren lange Zeit ausschließlich für„Grüne“ bestimmt, später trat aber auch dort eine Vermischung ein. Blau, rosafarbig und violett waren selten, in späteren
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