218
FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF
sein Freund, findet sie nicht so schwierig. ,, Der Stoff", belehrt er ihn ,,, war die geringste Sorge. Kilometerweise lag er hier, in allen Farben. Sie hatten ihn doch für einen sehr wichtigen Zweck gebraucht, für die Winkel; die roten, die grünen, die blauen, die gelben, die violetten, die rosa, die schwarzen Winkel. Hunderte von Ballen lagen aufgestapelt da. Nichts leichter, als sie in die flatternden Zeichen unserer Freiheit umzuschneidern, die vorher dazu hatten dienen müssen, unserer Knechtschaft Symbole darzustellen."
-
Und die Inschriften, die Aufschriften, die Über- und die Unterschriften bald werde ich die Abschriften hier zu stehen haben. Im Laufe von zwei Tagen diese Wandlung! Noch vorgestern ein Heer von 25000 Sklaven, die nach Nummern gezählt wurden, aber sonst keine Nummer hatten, und die nichts halten durften als den Mund, und heute eine Armee von Befreiten, die in eigener Rede sagten, was sie bewegte, und die ihren Befreiern auf einer Tribüne den Dank zum Ausdruck brachten, der ihnen aus dem Herzen quoll. Redefreiheit! Und jedesmal, wenn sich einer von den american boys in ihren einfachen, aber schmucken Uniformen zeigt, ist er umringt von einem Dutzend von dankbaren Gemütern, die lustig mit ihm radebrechen, und deren Begeisterung ins Ungemessene schwillt, wenn er die Zigarettenschachtel herauszieht und in großmütiger Freigebigkeit das unersetzliche Kraut an die sich um ihn Drängenden verteilt.
-
-
Den Dank gegen Gott haben wir ihn vergessen? Zuerst waren die Katholiken auf dem Plan mit einem Tedeum, das noch am Abend des Befreiungssonntags in der Kapelle zelebriert wurde der erste Gottesdienst, zu dem auch die ehemaligen Häftlinge ungehindert Zutritt hatten. Glaubensfreiheit nicht bloß ein hohles Versprechen! Die Evangelischen ließen sich bis heute Zeit, und Windgasse, der Evangelist, wollte sogar noch heute morgen die Segel


