Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
Seite
74
Einzelbild herunterladen

74

FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF

sendfältig vor unsern Augen erfüllt! Auch Kaiser, der Pfarrer, auch der Knabe Hiob erwarten stündlich die Botschaft aus Dresden und aus Leipzig , die ihnen das Liebste raubt die Lieben.

-

Gestern habe ich zum zweiten Male das Pfarrerbrot be­kommen. Das ist ja großartig! Reger, der gute Freund, vermittelte es. Er meinte, sie dürften es nicht dulden, daß ich noch kurz vor dem Ende durch den Kamin müsse. Das ist Hilfe von unerwarteter Art, eine Gabe der Liebe für evangelische Pfarrer von evangelischen Gemeinden, durch das Evangelische Landeskirchenamt in München weiter­geleitet, bestehend aus einem ganzen Laib Schwarz- oder Weißbrot, einem Stück Butter und Wurst, also Dingen, die einen unschätzbaren Wert haben und manchen vor dem Verhungern retten. So wird es wieder einmal wahr:

Er weiß vieltausend Weisen,

zu retten aus dem Tod; die Armen tut er speisen zur Zeit der Hungersnot; macht frische rote Wangen auch bei geringem Mahl, und, die da sind gefangen, die reißt er aus der Qual.

-

Die katholischen

Auch die Verheißung, in welcher der Vers ausklingt, kann ER wahr machen. Möge ER's bald tun! Priester wurden ebenfalls regelmäßig von den Raben des Elias besucht. Ein Wunder, daß die da vorn die Raben durchs Tor lassen!

12. März 1945.

Ein Glück, daß die ,, Vereinfachung" beim Essen Halt ge­macht hat! Wahrscheinlich verdanken wir es der Seuche, die in doppelter Gestalt immer bedrohlichere Formen im Lager