DAS ERSTE WETTERLEUCHTEN 59
darüber, ob sich dies zu meinem Vorteil oder Nachteil aus- wirken werde.© Pragmatiker, wo steckst du?
4. Februar 1945- Der Mexikaner tot! Wie ein Lauffeuer geht diese Kunde durch den Block. Er war doch-das Bild der Gesundheit selbst, wenn seine Wangen auch etwas abmagerten. Vor einigen Tagen kam er ins Revier; angeblich ist er dort an Flecktyphus gestorben. Viele schütteln den Kopf; wir sehen uns ungläubig an; was er aber im Innersten denkt, wagt keiner auszusprechen. Ja, man soll der Stapo nichts am Zeug flicken, es ist lebensgefährlich. 5. Februar 1945. Schon den zweiten Sonntag konnten wir uns nicht zur Predigt pirschen, weil der immer mehr um sich greifende Typhus zu einer allgemeinen Blocksperre geführt hat. Wir ließen es uns indessen nicht nehmen, uns wieder einmal wie früher im Freien zu treffen, diesmal im Bereich des Hubersepp, an der Kantine— ja, sieh nur recht überrascht von der Wand her durch deinen Zwicker, o Vorsehung! Im vollen Licht der Lageröffentlichkeit scharten wir uns um die Bibel,- während die Gestreiften um den Radiomast kreisten und den Nachrichten lauschten, die dem Trichter von Zeit zu Zeit entquollen. Es sei freilich nicht verschwie- gen, daß der eine oder andere zuweilen etwas ängstliche Seitenblicke auf die um uns herflutende Menge warf, um zu erkunden, ob die Luft sauber sei, denn wir mußten stets mit Verrätern rechnen, die uns in des Teufels Küche bringen konnten. Der Biblizist hat allerdings mit seiner Zuversicht recht behalten, die ihn zu dem kühnen Ausspruch veran- laßte:„Nicht wir schützen die Bibel, sondern die Bibel schützt uns!“ Der Knabe Hiob war auch dabei und tat diesmal ganz gegen seine Gewohnheit in der Aussprache
lebhaft mit.


