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FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF
statt auch die Verantwortung für ihr Tun zu tragen, wälzen sie es auf den letzten ab, den die Hunde beißen, um fein hübsch im Hintergrund zu bleiben und das Spiel bei der nächsten Gelegenheit erneuern zu können. Ich bin zu lange im Lager, um dies nicht zu durchschauen.
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Übrigens brachte der gestrige Tag eine Überraschung: im Porzellan rührte und regte sich nichts. Ich hatte damit rechnen müssen, daß sie beim Direktor anläuteten, um mich madig zu machen, mir vielleicht das Kommando zu entziehen, aber nichts geschah. Am Nachmittag schrieb mir der Laibacher Nr. 2 einen Zettel und legte ihn mir auf den Tisch: ,, Bach der Kriminalist ist im Haus!" Das war bedenklich und schien zu beweisen, daß sie der Herkunft der Wurst auf den Grund gehen wollten. Doch löste sich die Wolke in Wohlgefallen auf: der Mann hatte eine Figur gekauft und war wieder verschwunden. Wenn ich nur im Porzellan bleiben kann! Der Verlust des Kommandos wäre die schlimmste Strafe, härter als die 25, weit härter, weil er noch manchen andern Verlust nach sich zöge: Keine Milch mehr( mag es auch Magermilch sein), keine Wurst mehr, und wenn es nur rote Quaderstücke sind; dazu droht der Transport nach auswärts, der unter Umständen einem Todesurteil gleichkommt und deswegen von allen ängstlich gemieden wird. Ich beschloß deswegen in die Höhle des Löwen zu gehen und meldete mich in aller Frühe beim Direktor im Privatkabinett. Der Zerberus, die Privatsekretärin, versperrte noch nicht den Zutritt, so daß ich ungehindert vordrang. Der melancholische Mann, der übrigens immer anständig war gegen die Häftlinge und manchen Brief zu unseren Gunsten unterzeichnet hat, hörte mich mit Schwermut im Blicke an und erklärte mir mit der Rätselhaftigkeit einer Sphinx, daß sein Eintreten mir nur Schaden bringen könne: ,, Sie sind ja nun schon über ein Jahr im Porzellan" fügte er hinzu; ließ mich aber im unklaren


