Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
Seite
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DAS ERSTE WETTERLEUCHTEN

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wie jemals einer an irgendeinem Orte Deutschlands , wie die Zeitungen jeden Tag bewiesen. Und wenn die Block­moguls samt den Stubendiensten eine Ausnahme machen sollten, dann nur deswegen, weil sie es nicht nötig hatten, sei es, daß sie im Überfluß schwammen oder auf Grund der Tribute, die ihnen freiwillig oder gezwungen in ihre Spinde geschüttet wurden. Das feindselige Schweigen, das seiner Rede folgte, bewies, daß der Block im Bilde war und dem Spruche des Moguls nicht zustimmte. Was diesen indessen nicht hindern wird, bei der nächsten besten Ge­legenheit den ungeschriebenen Weisungen nachzukommen und sich als getreuen SS- Büttel den Herrenmenschen nütz­lich zu machen.

3. Februar 1945.

Wird der Schreiber die 25 kriegen oder nicht? Diese Frage ist an der Tagesordnung im Kommando; einige gönnen mir mein Mißgeschick und verargen mir besonders, daß ich meinen Vordermann, das Handelsgenie, nicht durch eine Lüge gedeckt. Einer, natürlich ein Capo, wünscht mir in der liebenswürdigen Offenheit, die bei den Häftlingen. üblich ist, ich müßte 50 bekommen statt der 25; er würde mir die doppelte Tracht verschreiben- gewiß, denn er ist Mit­häftling und Capo, das genügt zur Erläuterung dieser Frei­gebigkeit. Ich habe mich allerdings nicht an das Lager­dogma gekehrt, daß man ,, vorn" seinen Vordermann unter allen Umständen decken müsse. Aber da ich ein gutes Ge­wissen hatte und mich nicht schuldig fühlte, andererseits unter dem Verdacht der Entwendung von Heeresgut stand, so blieb mir nichts anderes übrig, als den einzigen Zeugen, den ich hatte, in Anspruch zu nehmen. Jenes Dogma ist übrigens erfunden von Leuten, die gern im Trüben fischen, Capos, Stubenältesten usw. Sie stellen allerlei an, was das Licht zu scheuen hat, bedienen sich ihrer Hörigen, aber