halb schlage ich vor, daß du morgen über die Grenze gehst. In die Slowakei zunächst; das ist nicht allzu schwer. Dort wird dich niemand suchen. Und wenn sie dich dort suchen, kannst du weiterwandern, nach Un garn . Dort kannst du dich noch leichter verstecken. Das halte ich für vernünftig. Du befreist mich dadurch von einer großen Sorge. Denn wenn man mich erwischt- gut, dann hat man mich eben erwischt, und ich bezahle mit meinem Leben. Aber ich weiß dann wenigstens, daß du in Sicherheit bist und daß Heydrich dir nichts antun kann." Marie hatte ihn stehend angehört. Jetzt setzte sie sich und sagte: ,, Ist das dein Ernst? Und du glaubst, daß ich ginge und dich hier allein ließe?"
,, Ich will es so haben."
,, Aber du weißt, daß ich dir diesen Wunsch nicht erfüllen kann. Jetzt bitte ich dich nur um eins: Sprich nicht mehr davon. Wenn man dich hinrichtet, wird man auch mich hinrichten. So soll es sein, ich will es nicht anders haben. Wenn du mir widersprichst, nimmst du mir den Mut. Das kannst du doch nicht wollen."
Rada sagte nichts mehr. Er stand auf. Auch Marie stand auf. Sie gingen schlafen.
Am Morgen griff er nach der Zeitung, ehe er ins Amt ging. Wie die meisten Tschechen las er an jedem Morgen die Liste der Todesopfer des gestrigen Tags.
,, Marie", rief er, die Zeitung in den zitternden Händen haltend.
Sie kam aus der Küche und warf einen Blick auf die Liste der Hingerichteten. Sie las: ,, Die folgenden Personen wurden vom Volksgericht zum Tode verurteilt. Die Todesurteile wurden gestern vollstreckt.
Jaromir Havelka, geboren in Tábor, wohnhaft in Prag , 51 Jahre alt.
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