Maries Gesicht wurde weiß und fahl.

,, Erschrick nicht", sagte Rada. ,, Du mußt tapfer sein." Maries Hände zitterten. Sie blickte Rada nicht an. Sie blickte auf seine und ihre Hände nieder. Seine Hand, die auf der ihren lag, zitterte nicht.

,, Hat Havelka einer unterirdischen Organisation ange­hört?" fragte Marie.

,, Darüber darf ich nichts sagen", antwortete er. ,, Selbst dir nicht. Ich darf dir auch nicht sagen, ob ich einer Or­ganisation beitreten werde. Das weiß ich übrigens sel­ber noch nicht. Aber ich hab mich entschlossen, an dem Kampf teilzunehmen. Ich will den Kampf unterstützen, soweit es in meinen Kräften steht. Ich muß etwas tun, den Feind bekämpfen. Mehr kann ich dir nicht sa­gen. Das mußte ich dir aber sagen, weil die Gefahr, der ich mich aussetze, dich ebenso wie mich bedroht." Marie befreite ihre Hand und legte sie auf die seine. ,, Ich fürchte mich nicht", sagte sie.

,, Marie", sagte er ,,, du gibst mir also recht? Du siehst ein, daß es meine Pflicht ist?"

Marie erhob sich und trat vor die Kommode, auf der Edmunds Photographien standen. Sie blickte den vier­jährigen Edmund an, der einen Matrosenanzug trug. Sie blickte den Elfjährigen an, der die ernsten, besorg­ten Augen seines Vaters hatte. Sie blickte den Achtzehn­jährigen an. So hatte er ausgesehen, als er verschwun­den war. Rada blieb sitzen und betrachtete den schma­len Rücken der Frau.

Als sie sich umdrehte, war ihr Gesicht verwandelt. In ihren Augen standen Tränen, aber sie lächelte. Sie sagte: ,, Einmal hab ich mit ihm darüber gesprochen. Jetzt kann ich es dir erzählen. Er hat mich gefragt, ob du einer Kampforganisation angehörst. Ich weiß nicht',

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