ihm von Marie keine Kraft zu, und das Haus, das er betrat, lähmte seinen Schritt.
Im Hausflur blieb er stehen. Das Haus war totenstill, Er stand im Dunkeln, an das Haustor gelehnt, und dachte an Marie. Wenn ein Unglück ihn ereilte, traf es auch sie. Wenn ein Unglück sie ereilte, traf es auch ihn. Ob es ihn oder ob es sie ereilte, es machte keinen Unterschied. Weder er noch sie hatten es jemals gesagt, aber es war niemals nötig gewesen, es zu sagen. Er und Marie, sie waren eins. Sie waren in den vielen Jahren ihrer Ehe eins geworden. Aber in den letzten Tagen hatte er trotzdem Marie seine Gedanken verheimlicht. In den letzten Tagen hatte er an den Abend gedacht, den er mit Marie einige Monate nach Edmunds Verschwinden in einem Kino verbracht hatte. Marie hatte an diesem Kinoabend einmal laut aufgelacht wie in alten Zeiten. Damals hatte er gedacht: Vielleicht ist sie stärker als ich. Vielleicht ist sie schwächer als ich. Wir sind nicht eins geworden. Vielleicht können zwei Menschen nicht eins werden. Er dachte: Ich weiß nicht, ob sie meinen Entschluß billigen wird. Was geschieht, wenn sie ihn nicht billigt?
Er dachte diese Frage zu Ende. Da er erkannt hatte, daß es nicht darauf ankam, ob Edmund noch lebte, kam es auch nicht darauf an, ob Marie den Entschluß, der vielleicht ihr Todesurteil war, billigte.
Rada ging auf seine Wohnungstür zu und öffnete sie. Marie brachte das Essen. Nach dem Essen ging sie in die Küche. Sie säuberte die Küche, dann bügelte sie Radas Hemden. Es kränkte sie, daß seine Hemden. rissig wurden. Ein Hemd war eine Kostbarkeit geworden. Es war Mitternacht, als Marie mit ihrer Arbeit fertig war. Als sie das Zimmer betrat, saß Rada bei
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