Ich seh ein, daß es keinen Zweck hat." Er war aber so müde, daß er kaum eine Hand bewegen konnte. Er ging seiner Arbeit nach, er rechnete und schrieb von mor­gens bis abends, ohne die Müdigkeit zu spüren, aber am Abend war er so müde, daß es ihm schwer fiel, einen Bissen Brot an den Mund zu führen.

Er begann, mit Marie von Edmund zu sprechen. Er sprach die Vermutung aus, daß Edmund auf der Suche nach Jar­mila eingefangen worden sei. Rada sagte, es sei mög­lich, daß Edmund in den Kellern des Gestapohauses ge­fangengehalten werde. Es sei auch möglich, daß Edmund nach Ruzýň gebracht worden sei. Vielleicht habe man ihn nach Deutschland in ein Konzentrationslager ver­schleppt. Rada verriet große Sachkenntnis. Er sagte nicht, was man ihm von den Konzentrationslagern erzählt hatte, aber es entschlüpfte ihm manches Wort, das Ma­rie mit Grauen erfüllte. Er wollte ihr die Martern nicht schildern, denen Edmund ausgesetzt sein mochte; er hatte den festen Willen, kein Wort zu sagen, das den Kummer der Kummervollen nähren konnte; aber er war grausam, ohne es zu wissen. Plötzlich konnte er nicht mehr schweigen. Plötzlich unterlag er dem Zwang, Ma­rie alles zu sagen, was ihm durch den Kopf ging. ,, Falls er noch lebt..."- diese Worte, mit denen er nach jeder Gesprächspause die unterbrochene Selbst­marterung wieder aufnahm, brachten Marie dem Wahn­sinn nahe. Sie bat ihn aber nicht, diese Worte zu unter­drücken. Daß er plötzlich viel redete und mit jedem Wort Marter auf Marter häufte, war ihr lieber als sein Schwei­gen. Sie wußte, daß er und sie das Schweigen und die gegenseitige Schonung nicht länger ertragen hätten. Nach einigen Tagen wurde der Schmerz, den sie beim Ver­nehmen der Worte ,, Falls er noch lebt..." empfand,

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