Es überraschte und verwirrte Rada, daß Fobich von der deutschen Spionage sprach. Was bezweckte der Verräter mit dieser Bemerkung? Wollte er behaupten, daß er die Deutschen täusche und nur scheinbar zum Feind über­gegangen sei?

Fobich führte seinen Gast in ein mit Büchern gefülltes Zimmer. Die beiden Männer setzten sich. Rada hatte zum ersten Male seit langer Zeit Gelegenheit, das Ge­sicht des gefürchteten Mannes näher zu betrachten. Fobich war in seiner Jugend schön gewesen. Der Fünf­zigjährige gefiel noch immer vielen Frauen, obwohl tiefe Falten die Harmonie der regelmäßigen Gesichtszüge zerstörten und die glitzernden schwarzen Augen ab­stoßend wirkten. Von diesem beunruhigenden Gesicht hatte Rada in den letzten Wochen oft geträumt. Fobich sah den forschenden Blick auf sich gerichtet und lächelte.

,, Also", sagte er ,,, hast du dich mit deiner Beförderung abgefunden? Oder ist dir die Versetzung in meine Ab­teilung ernsthaft unangenehm?"

Rada anwortete nach einer kurzen Pause: ,, Ich wäre gern auf meinem alten Posten geblieben. Aber ich weiß, daß ich nicht berechtigt bin, gegen eine Versetzung zu protestieren."

,, Und das ist gut so", fiel Fobich ein. ,, Manche Leute muß man zu ihrem Glück zwingen. Du gehörst zu die­sen komischen Käuzen. Was dir fehlt, ist Selbstver­trauen, sonst nichts. Du bist ein tüchtiger Tariffachmann, du hast seit vielen Jahren nichts als Tarife im Kopf ge­habt, deshalb glaubst du, daß du auf einem andern Ge­biet nicht viel wert sein wirst. Ich bin vom Gegenteil überzeugt. Wer auf einem Gebiet jemals etwas Ordent­liches geleistet hat, ist in der Regel imstande, auch auf

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