beim Eintritt in dieses Haus mühsam unterdrückt hatte, überflutete ihn wieder.
,, Mein Mann schätzt Sie sehr", sagte die Frau. ,, Er hat nie vergessen, daß Sie ihm einmal das Leben gerettet haben."
Ein tschechisches Mädchen meldete, Leutnant Bethge sei erschienen. Die Frau stand auf, entschuldigte sich und verließ das Zimmer. Nach einigen Minuten kehrte sie mit einem etwa dreiundzwanzigjährigen deutschen Offizier zurück, dem sie Rada vorstellte. Der blonde junge Mann, der sehr groß war und eine lange, gerade Nase hatte, setzte sich.
Rada stand nach einigen Minuten auf und sagte, er wolle nicht länger stören. Die Frau protestierte. ,, Sie sind mein Gefangener", sagte sie. ,, Mein Mann wird bestimmt bald kommen. Wir können übrigens schon essen."
Sie gingen in das Speisezimmer. Rada wußte nicht, was gesprochen wurde. Erbittert und ergrimmt dachte er: Ich sitze mit einem deutschen Offizier an einem Tisch. Radas Erbitterung galt vor allem Fobich, aber auch Havelka, der gesagt hatte: ,, Sie müssen heute abend zu Fobich in die Wohnung gehn. Sie dürfen nicht sein Miẞtrauen erwecken."
Vor der Beendigung der Mahlzeit erschien Fobich. Während er zu essen begann, standen die Frau und der Offizier auf und verschwanden. Sie ließen sich an diesem Abend nicht mehr blicken. Fobich zwinkerte dem stummen Rada listig zu und sagte: ,, Diesen Leutnant Bethge wirst du von jetzt an öfter sehn. Er fungiert als unauffälliger militärischer Beobachter in der Abteilung III. Was er im Ministerium nicht erfährt, hofft er durch meine Frau zu erfahren. Aber ich pflege ihr dienstliche Geheimnisse nicht anzuvertrauen."
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