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Staaten ist." In dem noch weiter westlich gelegenen Kalifornien braucht es zu diesem Zwecke nicht einmal zu regnen. Künstlich bewässert, wie das herrliche Land ist, bringt es die köstlichsten Orangen- und Pflaumenernten der Welt, wie es glaubt, ganz ohne staatliche Oberaufsicht hervor.
Kalifornien ist so weit von Washington wie Paris , bloß nach der anderen Seite hin. Klimatisch ist es fast das Ägypten Ame rikas , aber ein heiteres Ägypten ohne Pyramidenlast und Pharaonengräber. Der lieblich gegliederte Küstensaum, die hügelan kletternden weißen Städtchen, und die zierlichen, vogelbauerartigen Wohnstätten lassen an die europäische Riviera und das maurisch angehauchte Spanien denken. Die in schwellendem Grün der Gärten versinkenden, in einem Blumendschungel halb versteckten Landhäuser haben wie im europäischen Orient einen himmeloffenen living room, den sogenannten Patio, und straßenscheue vergitterte Balkönchen, hinter deren hölzernem Geschnörkel man immer darauf gefaßt ist, eine naschhafte Rosina auf der frischen Tat eines zärtlichen Zwiegesanges mit dem schlimmen Almaviva zu ertappen.
Der europäische Orient ist zugleich das europäische Märchenland und auch in diesem Punkte mutet das in Tausendundeiner Nacht schwelgende Kalifornien den Europäer eher östlich an. Der Name kommt aus einer Geschichte, nicht aus der Geschichte. Im Rolandlied, dem Best- Seller des zwölften Jahrhunderts, wird ein Königreich Califerne erwähnt, woran anknüpfend dann ein spanischer Abenteurerroman des sechzehnten Jahrhunderts von einer Königin Califia berichtet, die sich von einem goldenen Glockenspiel in den Schlaf wiegen läßt und in einem Film von heute mit der Wienerin Hedy Lamarr zu besetzen wäre. Califias Reich, so fabelt der Roman, liegt an einem Strome, in dem ,, Fische so groß wie Pferde" schwimmen und dessen Anwohner durchaus goldene Waffen tragen. So kindlich diese Beschreibung ist, so nimmt sie doch schon einiges vorweg von dem
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