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Als Priester im Konzentrationslager : meine Erlebnisse in Dachau / Pfarrer Leopold Arthofer
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denn alles, was sie hier Tag für Tag mitansehen muß- ten, war Gift für ihre zarten Kinderseelen.

Man beobachtete, wie einerseits sich mancher edlere Kazetler um sie bemühte und ihnen mit Bewilligung der Lagerleitung nützlichen Schulunterricht zu vermitteln trachtete, man hörte aber auch von manchem homosexuel- len Skandal, in dem solche Kinder die Opfer waren. Und nach Monaten sah ich mit tiefer Trauer, wie einige dieser Kleinen sich in verkommene Lausbuben verwan- delten, rauchten, stahlen, sich sogar um ein Stück Brot Päderasten zur Verfügung stellten. Das Leuchten ihrer Augen war erloschen; hohlwangig lungerten sie auf den Lagerstraßen herum und nahmen täglich an Frechheit und Verlogenheit zu.

Einmal sah ich eine Schar von etwa hundert durch- schnittlich zehn Jahre alten Knaben zum großen Lager- tor hinausmarschieren. Ein Blockältester sagte mir:Die werden alle vergast! Vielleicht waren diese Judenkinder glücklicher als jene, die man hier im Lager über Auf- trag des Reichssicherheitshauptamtes und des Reichsfüh- rers SS Heinrich Himmler verkommen und verderben ließ.

Als die Amerikaner das Lager betraten, fanden sie in ihm auch Kinder als Häftlinge vor. Was mögen sie da von der Kultur des Dritten Reiches gedacht haben?

Eines Tages fiel mir in meinem Arbeitskommando ein etwa 14 Jahre alter polnischer Student auf, der in seinem ausgehungerten, bleichen Gesicht den Ausdruck tiefer Trauer zeigte. Ich vermutete, daß die bittere Not die Hauptursache seiner Niedergeschlagenheit sei, und be- schloß, ihm eine Freude zu machen.

Am nächsten Tag nahm ich ein Stück Brot, das ich er- übrigt hatte, auf den Arbeitsplatz mit und suchte dann bei erster Gelegenheit den Jungen auf.

Überrascht und kühl zugleich blickte er mich an, als ich ihn am Arm berührte und zu ihm sagte:Da nimm! Du kannst dieses Brot gewiß gut brauchen!*

8 Arthofer, Konzentrationslager.