lichen Ordinariat
eilt
Vorwort
Je weiter sich ein Wanderer vom Licht entfernt, um so dunkler wird sein Tag. Und je mehr die Menschheit Christus vergißt, desto unglücklicher ist sie.
So fasse ich als katholischer Priester die ungeheuren Geschehnisse dieses Jahrhunderts auf. Wenn ich auf mein eigenes Leben zurückblicke, auf meine Soldatenzeit im Weltkrieg, die zehn Jahre Seelsorgertätigkeit in einer Strafanstalt, die vier Jahre im Konzentrationslager Dachau , so lernte ich wohl viele Menschen kennen, die das Christentum verlassen haben, aber unter ihnen keinen, dem jener Seelenfriede aus den Augen gestrahlt hätte, den nur Christus bringen kann. Leiden und Unglücklichsein ist zweierlei. Ohne Überhebung darf ich wohl bekennen, daß ich im Leben viel gelitten habe, doch weiß ich nur ein einziges Unglück: Gott verlieren.
So betrachte ich es als des Priesters elementarste Aufgabe, seinen verirrten Mitmenschen wieder den Weg zum Licht zu weisen und unerschrocken und kompromiẞlos all die dunklen Mächte abzuwehren, die die Kultur des Christentums zerstören wollen.
Aus diesem Grunde, und nur deswegen, war ich, so wie die meisten meiner Mitbürger, ein Gegner der nationalsozialistischen Weltanschauung. Jeder denkende Österreicher hatte Gelegenheit genug, die Entwicklung der Dinge im nationalsozialistischen Deutschland zu beobachten und zu erkennen, daß es sich hier nicht sosehr um ein neues politisches System, als vielmehr um eine neue Weltanschauung, um eine totale Erfassung der Menschenseele handle, mit dem letzten, mehr oder weniger verschleierten Ziel, den deutschen Menschen völlig von der Religion Jesu Christi wegzureißen. Wann hat jemals der Begründer des Dritten Reiches oder einer seiner Mitarbeiter öffentlich den Namen Christus erwähnt? In den Stunden höchster Not nannte man noch manches
5


