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Als Priester im Konzentrationslager : meine Erlebnisse in Dachau / Pfarrer Leopold Arthofer
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Auch ich war an dieser letzten Station bereits an­gelangt und hatte im Mai 1942 keine Hoffnung mehr, jemals noch nach Hause zurückzukommen.

Meine Kameraden führten mich langsam und behutsam wie einen Greis ins Krankenrevier, wo ich durch die Güte des Pflegers Edi Pesendorfer eingeschmuggelt wer­den konnte. Dort vertrieb man durch Injektionen vorüber­gehend das Wasser; dann merkte ich erst recht, daß ich zum Skelett abgemagert war. Seit meiner Verhaftung hatte ich zirka 40 Kilogramm Körpergewicht verloren. Man sagte mir ,, tröstend", daß ich wohl bald durch den Kamin entlassen werden würde, und ich war bei diesem nöpfe, Zahnpast Gedanken beinahe glücklich.

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Nur nichts mehr von Dachau sehen! Von den deutschen Geistlichen starben in diesem Jahre 33 Prozent, von den polnischen 50 Prozent den Hungertod.

Niemals werde ich die Bilder jener Zeit vergessen: Bei der Messe am Morgen konnten viele in der Kapelle nicht mehr stehen. Sie lagen auf dem Boden, Sterbende vor dem Altar. Und alle starben sie still, ergeben, fast mit Selbstverständlichkeit.

Da sagte eines Tages Pfarrer Karoly zu mir: ,, Du, Arthofer, gib mir die Krankenölung, ich werde nun ster­ben!" Kein Wort mehr als das. Ich erfüllte seinen Wunsch. Das heilige öl hatten wir uns von Dachau herein­geschwindelt. Wenige Stunden später war er tot.

Pfarrer Bechtl, ein lieber Freund, mit dem ich in den ersten Monaten meines Dachauerlebens oft beisammen war und der mir humorvoll und kräftig Mut zusprach, ein Optimist, nun aber zum Skelett abgemagert, steht bei einer Misttonne und sucht sich verfaulte Kartoffelreste heraus, um sie gierig zu verschlingen. Der Blockälteste brüllt ihn an: ,, Wenn ich dich hier noch einmal sehe, holt dich der Teufel!" und gibt ihm einige Ohrfeigen. Schweigend taumelt der einst so kräftige Mann weiter. Einige Tage später liegt er in der Leichenhalle des Kre­matoriums.

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