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Das aufgebrochene Tor : Predigten und Andachten gefangener Pfarrer im Konzentrationslager Dachau / Vorwort und Herausgeber: Martin Niemöller
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Denn die Welt denkt ja doch anders. Die Welt spricht: ,, Jeder lebt sich selber und jeder stirbt sich selber". Die Welt kennt keinen Herrn über sich; der natürliche Mensch ist sich selbst Herr genug. Er fragt dreist: ,, Sollte Gott gesagt haben...?", und macht sich sein eigenes Gesetz, nach dem er lebt. ,, Erlaubt ist, was gefällt"; erlaubt ist, was mir nützt, oder was dem Volke nützt. Aber das Gesetz des selbst­herrlichen Menschen läßt ihn immer nur auf Kosten des anderen leben, treibt den einen Menschen gegen den ande­ren, ein Volk wider das andere. An ihrem Gesetz, das ein Gesetz der Sünde ist, stirbt die Welt.

Aber der selbstherrliche Mensch beruhigt sich darüber: Mag ich sterben, mag die Welt zugrunde gehen, unser jeder lebt ja sich selber, und jeder stirbt auch sich selber! Wer hat mich danach zu fragen, ob ich einmal am Ende eines erfüll­ten Lebens friedvoll zu sterben gedenke, oder aber ob die Angst vor dem Tode mein Letztes sein wird; ja, wem bin ich Rechenschaft schuldig, wenn ich mein Leben eigenmächtig fortwerfe? Und daß ich ohne Hoffnung sterbe, das ist mir gerade recht; ich will ja gar nicht mein Leben noch über den Tod hinaus weiterschleppen in eine Ewigkeit hinein und durch Ewigkeiten hindurch, auch nicht durch selige Ewig­keiten; wenn ich gestorben bin, dann will ich auch wirklich tot sein, dann soll auch wirklich alles zu Ende sein. Ich lebe mir selber, und ich sterbe mir selber. So spricht der selbst­herrliche Mensch.

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Und nun sagt die Schrift: ,, Unser keiner lebt sich selber und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn". Die Schrift sagt: ,, Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten!" Die Schrift sagt: ,, Wir leben oder wir sterben, so sind wir des Herrn." Es ist einer, welcher Herr ist auch über unsere

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