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Das aufgebrochene Tor : Predigten und Andachten gefangener Pfarrer im Konzentrationslager Dachau / Vorwort und Herausgeber: Martin Niemöller
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haben, das wir gesehen haben mit unseren Augen, das wir beschaut haben und unsere Hände betastet haben, vom Worte des Lebens" da bricht er mitten im Satze ab, wie um Atem zu holen, und fährt fort und schleudert unvermit­telt, überstürzt die Kunde hin: ,, Und das Leben ist erschie­nen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater und ist uns erschienen" und wieder bricht er ab und fängt vor vorne an, wiederholt, was er schon einmal gesagt hat: ,, Was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, auf daß auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und sol­ches schreiben wir euch, auf daß eure Freude völlig sei." Ja, hören wir die Kunde von dem auferstandenen Herrn auch mit solchem Staunen wirklich als eine unerhörte Kunde, sagen wir das Wort von ihm auch mit solcher Atemlosigkeit wirklich als ein schier unsagbares Wort? Ist das auch bei uns so, daß uns bei der Kunde für einen Augenblick der Atem stille steht? Müßten wir uns nicht eigentlich alle in die Arme sinken und um den Hals fallen und uns grüßen mit dem heiligen Kuß der ersten Christen bei den Worten: ,, Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!" Ach, es ist kein so sehr gutes Zeugnis für unsern Glauben, daß wir das so eigentlich unbewegt zu sagen und zu hören ver­mögen; unser Glaube ist matt, und unser Mut ist klein, der Glaube, der in Wahrheit dazu gehört, das Unerhörte zu hören, und der Mut, der in Wahrheit dazu gehört, das Un­sagbare zu sagen.

Denn wen jene Kunde wirklich ergreift als eine unerhörte Kunde, den läßt sie freilich nicht so, wie er vorher war, aus dem macht sie eine neue Kreatur, der lebt sein Leben fortan nicht sich selber, der lebt es dem Herrn. Und davon müßte die Welt dann wohl eigentlich auch etwas merken.

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