Der ehemalige Waldarbeiter, Hauptscharführer Trenkle, hatte irgendwo das ihm bisher unbekannte Wort Diät gehört. Er wurde jetzt ungemein vornehm, war nur auf Diät eingestellt. Türkischer Reis auf süß zubereitet war seine Lieblingsspeise geworden. Vellberg durfte servieren!
Ganz anders war der Geschmack des Hauptscharführers Bach. Gesteigerten Wert legte er auf Hühnerklein, um mit graziös gehaltenen Fingern gebildet zu tun. Es waren dieselben Finger, die später zur Faust geballt den Opfern ins Gesicht fuhren oder über sie die Peitsche schwangen, wenn er seine berüchtigten Verhöre gründlich durchführte. Vellberg durfte servieren! Diese traurigen Gesellen stahlen zusammen, was immer sie fanden. Wehe aber dem Häftling, bei dem abends am Tor beim Filzen ein organisiertes Brot gefunden wurde! Er hatte es hungernden. Kameraden aus Nächstenliebe mitbringen wollen, denn hätte er es für sich behalten wollen, hätte er es gut und gerne draußen verzehren können. Viehisch wurde dieser Häftling zusammengeprügelt und mußte anschließend Strafen verschiedener Art über sich ergehen lassen- bis in die tiefe Nacht hinein!
Es bedarf keines besonderen Hinweises, daß die Frauen dieser Bestien sich voll und ganz in die Auffassung ihrer Männer hineingelebt hatten. Sie stellten an die ihnen zur Arbeit zugewiesenen Häftlinge alle möglichen und unmöglichen Anforderungen. Die Frau des Lagerführers Redwitz bekam in jeder Woche zweimal einen Handwagen voll Gartenerzeugnisse. Vellberg mußte ihn mit einem anderen Kameraden hinschleppen und alles in den Keller tragen. Als
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