Druckschrift 
Dachau : Erlebnisse im Konzentrationslager / von Konrad Wüest Edler von Vellberg
Entstehung
Seite
57
Einzelbild herunterladen

führer gemacht unter drastisch gefälschter Darstellung des ,, Vergehens". Von diesem Herrn" Lagerführer wurden dann fünfundzwanzig bis fünfundsiebzig Stockhiebe ver­hängt oder zwei Stunden ,, Baum", kriechen oder robben und manches andere mehr. Erst vom Jahre 1942 an gingen die Strafmeldungen nach Berlin zum Reichshauptsicherungs­amt, der Stelle, die alle Schutzhaftbefehle ausgestellt hatte. Das bedeutete bei weitem keine Vermenschlichung oder gar Abstellung der Verhältnisse. Die Stockhiebe wurden von dort nur schriftlich bestätigt!

Zumeist am Freitagabend jeder Woche mußten alle Häft­linge auf dem großen Appellplatz, der über 50 000 Men­schen fassen konnte, antreten und den Exekutionen beiwoh­nen. Da war eimal der ,, Bock", auf dem der zu bestrafende Häftling festgeschnallt wurde. Mit gedörrten Ochsenschwän­zen( Ochsenziemern) erhielt er dann seine Auszahlung". Auf jeder Seite stand ein 44- Mann und schlug weit ausholend mit gewaltiger Wucht zu. Wenn jeder von ihnen einmal zu­geschlagen hatte, zählte es als ein Hieb. Der Häftling hatte also mit fünfundzwanzig Schlägen, weil Doppelhiebe, ins­gesamt fünfzig Stockhiebe erhalten. Es waren nur wenige, die dadurch, daß sie die Zähne zusammenbissen, diese fürch­terliche Tortur ausstehen konnten, ohne einen Laut von sich zu geben. In den meisten Fällen brach ein Schreien und Schluchzen der Gequälten los. Selbst zehnjährige Bu­ben, auch solche waren im Lager, waren von diesen Un­menschlichkeiten durch ihre Jugend nicht geschützt. Selbst­verständlich brüllten und stöhnten sie, daß den übrigen bei aller inzwischen erworbenen Härte das Herz zu brechen

57