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Henker und Heilige : eine Erzählung aus unseren Tagen / Paul Kowollik
Entstehung
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VI.

In KA- EL- BU war der Frühling eingezogen, und in den Buchen­bäumen flöteten die Amseln. Die im Winter aufgehobene Nachtarbeit war wieder eingeführt worden, und von abends 6 bis 9 Uhr schleppte ich Bausteine zum Revierbau. Die Nachtarbeit wurde im Gegensatz zur Tagesarbeit nur innerhalb des Lagers verrichtet und durfte von den Arbeitskommandos erst beim Einbruch der Dunkelheit beendet werden, doch wurde dieser Lagerbefehl nicht so genau genommen. Da eine direkte Beaufsichtigung durch SS- Posten in der Regel nicht üblich war, so blieb es den Vorarbeitern, den Capos, überlassen, ob bei der Nacht­arbeit schwer gearbeitet oder gefaulenzt wurde. An die Stelle der un­menschlichen grünen Capos, also Vorarbeitern aus der Kaste der Grü­nen, waren viele Rote getreten. Doch gab es auch unter den Grünen manchen weißen Raben, der menschlich dachte und um die Gunst der SS - Henker nicht buhlte. Nicht jede Zuchthausstrafe, die das Dritte Reich verhängte, hatte einen kriminellen Grund, wie ja auch mancher der politischen Häftlinge sich bald durch Roheit bei seinen Mitge­fangenen unbeliebt machte. Zudem waren sie fast alle bestechlich. Mit Geld und Zigaretten ließ sich nicht wenig erreichen. Mit Ausnahme der Zeugen Jehovas, der Bibelforscher, konnten die Gefangenen sich etwas Geld senden lassen, für das es in der Lagerkantine gelegentlich Tabak zu teuren Preisen gab. Die Macht des Geldes reichte also bis hier an diesen Ort des Grauens, und wer keine Angehörigen oder Freunde besaß, der war doppelt arm. Wer früher viele Freunde hatte, der konnte die Wahrheit des Psalmistenwortes, daß auf Menschen doch kein Ver­laß ist, erfahren. Es regnete Mitteilungen von Ehescheidungen im Lager, und den betreffenden Gefangenen wurde von der Lagerleitung kurz mitgeteilt, daß ihre Ehefrauen sich von den eingebuchteten Staatsfein­den losgesagt hätten. Die Häftlinge waren macht- und rechtlos; es blieb ihrer Phantasie überlassen, sich auszumalen, wie daheim die treulose Ehegattin das sauer erworbene Vermögen mit Ehebrechern durchbrachte. Gerade während der Nachtarbeit gab es reichlich Gelegenheit, sich

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