DIE HENKER SIND GERICHTET
UND VERDAMMT
Nun, da der Schleier, den sie über ihr verbrecherisches Tun gebreitet,
sich mehr und mehr vor den entsetzten Blicken hebt, bestätigt jene Ahnung sich, die uns im Innern stets geleitet, und dennoch zittern wir vor Grauen, und das Herz erbebt.
Jetzt, da der Blutdunst ihrer schauerlichen Taten an uns're aufgeweckten Sinne unbarmherzig rührt, ermessen wir, an welchen Abgrund wir geraten, wie weit die Lüge und die Täuschung uns geführt.
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Noch kann es unser Hirn nur zögernd fassen, es gänzlich auszudenken, schrecken wir zurück; wir möchten's ungeschehen, einen bösen Traum sein lassen, doch kommt die Wahrheit unerbittlich näher, Stück/ um Stück.
Wir können nicht dagegen an, die Augen nicht verschließen, das Ungeheuerliche bleibt besteh'n und ist nicht wegdenkbar. Erschauernd fühlen wir den Blutstrom und die Tränen fließen und wissen, daß dies schlimmer als die Hölle war.
Was das Empfinden dieser Menschen so in's Tierische gewendet,
es bleibt unfaßbar, unser Sinn begreift es nicht.
Wir steh'n gelähmt, vom Blut des Furchtbaren geblendet, und schmerzhaft peinigt uns der Wahrheit grelles Licht
Und plötzlich ekelt uns die körperliche Nähe
von jenen Kräften, denen uns das Schicksal zugesellt
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Was in der Zukunft auch durch sie zur Sühne noch geschähe, sie sind gerichtet und verdammt vom Abscheu einer ganzen
Welt.
Walter Dehmel.
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