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KZ Sachsenhausen / im Auftrag des Hauptausschusses "Opfer des Faschismus" herausgegeben von Lucie Großer
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Oft fielen Schüsse. Wir machten uns nichts daraus. Ich weiß nicht, wieviele erschossen wurden. Dann kam der Tag, an dem das Artilleriefeuer näherrückte. Es war Musik für unsere Ohren. Die ,, Rote Armee "- wird sie uns befreien? Sollte unsere Hoff­nung Wahrheit werden? Oder sollten wir nur sterbend das junge Morgenrot der Freiheit sehen dürfen?

Der nächste Morgen eine Enttäuschung. Weitermarschieren! Also war der Kessel noch nicht geschlossen.

Die SS hatte es verstanden, durch Lug und Trug Rote- Kreuz­Pakete für sich zu ergaunern. Nicht nur, daß sie uns verhungern und verkommen ließen, sie, die Satten, stahlen uns das, was das Inter­ nationale Rote Kreuz uns zugedacht hatte. Durch unsere Wachsam­keit konnte ein Teil der gestohlenen Pakete durch das Rote Kreuz noch für uns ausgeteilt werden. Die abrückenden Marschkolonnen erhielten dann je fünf Mann ein Paket. Die SS - Lagerführung hatte aber ihren Begleitmannschaften je Mann ein Paket ausgehändigt. Die nächsten Tage immer wieder marschieren, hungern, schla­fen im nassen Moos; Krankheiten und Massenausfälle.

Durch das Einschreiten des Internationalen Roten Kreuzes wag­ten es die SS - Banditen nicht mehr, die Erschöpften umzulegen. Das Internationale Rote Kreuz sammelte die am Wege Liegen­gebliebenen auf und transportierte sie mit Lastwagen fort. Den­noch hörte das Morden nicht auf. Am 2. Mai 1945, dem Tage der Kapitulation vor Schwerin , wüteten die SS - Bestien noch; der be­rüchtigte SS- Obergruppenführer Pohl holte persönlich aus den einzelnen marschierenden Kolonnen wahllos die Opfer und er­ledigte sie durch Genickschuß.

Als eine Kolonne am 2. Mai durch Crivitz zog und mit Gesang der alten Lagerlieder die verstopften Straßen erfüllte, trat ein Angehöriger der Stadtkommandantur, ein Hauptmann der Luft­waffe, vor diesen Zug und erklärte die singenden Häftlinge für Meuterer. Er wollte sofort Befehl zum Erschießen geben. Das ge­schah kurz vor der Kapitulation der Wehrmacht. Die Marsch­kolonne, bei der ich mich befand, hatte zur Bewachung einige Häftlinge, die man in Sachsenhausen in SS- Uniform gesteckt hatte. Das war für uns günstig. Sie hielten mit uns zusammen.

Am 2. Mai, abends, wir waren kurz vor Schwerin , machten sich unsere Peiniger, die SS - Banditen, aus dem Staube. Nun waren wir frei wenn auch noch nicht in sicherer Hut.

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Am 3. Mai erreichten wir die amerikanischen Truppen. Jetzt erst waren wir uns bewußt, daß wir dem würgenden Griff dieser Mordbrenner doch noch glücklich entronnen waren.

Unsere Freude war groß.

Wolfgang Szepansky Nr. 33 527.

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