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KZ Sachsenhausen / im Auftrag des Hauptausschusses "Opfer des Faschismus" herausgegeben von Lucie Großer
Entstehung
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sich hauptsächlich um Russen, die mit russischen Offizieren aus dem Kriegsgefangenenlager in Verbindung standen. Auch Häftlinge( Verbrecher), die vor Monaten für die Sonderkom­mission gearbeitet hatten, waren mit dabei. Etwa 40-50 Häft­linge aus dem russischen Kriegsgefangenenlager wurden von. dem Dolmetscher Siegel ohne jegliche Listen und Unterlagen willkürlich herausgesucht und zum Tor gebracht. Wir nehmen an, daß ein Befehl der Reichsleitung bei der Lagerführung vorlag, die gefährlichsten Elemente des Lagers zu beseitigen. An der Aufstellung der Listen waren vor allem beteiligt: der Leiter der politischen Abteilung, Sturmscharführer Erdmann; von seiten der Lagerführung der Lagerführer Untersturm­führer Höhn. Sicher ist, daß diesen beiden SS - Offizieren frei­gestellt war, wen sie auf die Listen brachten. Annehmen muß man, daß sie bei der Durchführung dieser Aktion von höhe­ren Stellen keine direkten Direktiven erhalten haben. 150 Häftlinge wurden dabei erschossen.

10. Aktionen im kleinen von 1940 bis 1945:

Kleine Aktionen waren Tageserscheinungen, so z. B. Straf­versetzungen in andere Lager; Strafversetzungen auf ein Außenkommando; Einlieferungen in die Strafkompanie( SK.); Einlieferungen in den Zellenbau sowie Verschickung zum Kommando Dirlewanger .

11. Aktionen gegen Zivilisten:

In den letzten zwei Jahren wurden fast jeden Tag Zivi­listen, also Personen, die nicht zum Lager gehörten und sich somit in Freiheit befanden, zum Industriehof gebracht, dort­selbst erschossen und im Krematorium verbrannt. Die Zahl dieser geht in die Tausende.

12. Aktion gegen Terroristen Ende 1944 bis Anfang 1945:

In dieser Zeit wurden viele Personen eingeliefert, über welche die Lagerführung das Gerücht ausstreute, es handle. sich um Banden und Raubmörder, die vor allem ihr Unwesen in den Großstädten Deutschland trieben. Sie wurden im Lager strengstens isoliert und mit roter Farbe im Gesicht bemalt. Die Verhöre dieser Häftlinge wurden einem Berufsverbrecher, Richard Maschke, überwiesen. Dieser mißhandelte die Häft­linge auf das schlimmste. Die Zahl dieser Häftlinge kann nicht genau angegeben werden( etwa 300 bis 600). Sie wurden ausnahmslos erschossen.

Walter Engemann.

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