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man 150 Offiziere der holländischen Armee zur Hinrichtungsstätte ,, Industriehof" führte, und man Abend für Abend 16 000 russische Kriegsgefangene nach hinten führte und in hinterhältiger Weise durch Genickschüsse tötete? War es nicht immer so, wenn die Rauchschwaden des Krematoriums wie Mahnmale in den abendlichen Himmel ragten und der Geruch verbrannten Menschenfleisches uns den Atem verschlug? War es nicht so...?
Ein banges Ahnen befällt uns. Liegen doch schon seit langen Wochen über 100 unserer Genossen im Isolierungsblock 58, angeklagt, im Lager illegale, politische Arbeit geleistet und den Widerstand organisiert zu haben. Überall standen erregte, diskutierende Gruppen, und während wir später grübelnd auf unseren Strohlagern liegen und in banger Sorge um unsere Freunde den verdienten Schlaf nicht finden können, knallen die Schüsse. Wir erfahren bald: 27 unserer Genossen liegen in ihrem Blute, hingemordet von der SS. -
Unbändig war auch im Lager Sachsenhausen unser Widerstandswille. Unablässig waren wir bestrebt, den Gemeinschaftsgeist zu wecken und wachzuhalten, um dem Terror der SS zu begegnen. Solidaritätsaktionen, durchgeführt in kameradschaftlicher Zusammenarbeit mit den Vertrauensleuten aller europäischen Nationen, stillten den Hunger und retteten so manchen vor dem sicheren Tode. Die politisch geschultesten und kühnsten Antifaschisten organisierten den Widerstand, führten die Nationalitätenausschüsse und gaben der Masse des Lagers das politische Rüstzeug.
Der SS blieb der Widerstand nicht verborgen. Der Kampf mußte geführt werden gegen asoziale Elemente und Berufsverbrecher, die sich geringer Vorteile wegen für die Rolle von Lockspitzeln und Provokateuren hergaben. Bereits im Frühjahr 1944 sandte die Gestapo eine Sonderkommission ins Lager zu dem ausschließlichen Zweck, durch Inszenierung eines Prozesses die noch. im Lager befindlichen Funktionäre zu liquidieren.
Eine über das ganze Lager verbreitete Spitzelorganisation lieferte die spärlichen Unterlagen für den Prozeß. Einhundertfünfundsechzig Funktionäre wurden im Laufe einiger Wochen verhaftet und von der Masse der Lagerinsassen unter strengster Bewachung isoliert. Im Krematorium, angesichts des Galgens und der lodernden Flammen, wurden die Vernehmungen durchgeführt, und mit Peitschen und Stahlruten wurden die Protokolle geschrieben". Aber es gelang den Henkersknechten nicht, die Zusammenhänge der über das ganze Lager verbreiteten Widerstandsbewegung zu klären. Tapfer und unbeirrbar hielten die grausam Geqälten ihrer Sache die Treue.


