Gewißheit, heute passiert noch etwas Besonderes. Ich hatte mich nicht getäuscht. Zwei Genossen traten, an mich heran, sie suchten zum Schein passende Holländer.„ ,, Franz", sagten sie ,,, für uns steht fest, daß wir über den Industriehof entlassen werden. Wir glauben nicht, daß wir auf Transport gehen. Du willst uns nur beruhigen!" ,, Ihr geht auf Transport", sagte ich mit aller Bestimmtheit. ,, Nein, nein, Franz, wir lassen uns nicht abschlachten wie willenlose Lämmer. Wir zeigen, wie wir abtreten, wenn es sein muß!" ,, Macht keinen Unsinn, Kumpels", war meine Antwort, ,, es gibt ein wahnsinniges Blutvergießen. Ihr geht auf Transport!" Nach einiger Zeit kommt wieder ein Genosse, der passende Holländer sucht, und sagt:„ ,, Franz, wir haben alles erwogen. Durch die Türen können wir nicht, unser einziger Weg geht durch dein Fenster. Du mußt uns den Weg freigeben! Denk' an unsere Jahre in der Jugendbewegung. Willst du als Genosse dich den Genossen in den Weg stellen? Überlege es dir und gib dann Zeichen!" Ich erlebte schwere Minuten. Ich entschloß mich, ihnen den Weg freizugeben, mochte kommen, was da wolle. Ich gab das Zeichen meines Einverständnisses.
Inzwischen war es Abend geworden. Das Lager stand auf dem Appellplatz angetreten. Wir waren ,, kommandiert". Ungefähr 15 hatten es verstanden, zusammenzubleiben. Ich hatte gerade wieder einen Genossen abgefertigt, als er mir zuflüsterte: ,, Paß auf, es geht los!" Ich wurde ,, überwältigt" und flog in die Ecke. Der Trupp ging durch das Fenster. Scheiben klirrten! Ehe die Posten an den Türen sich von ihrem Schreck erholt hatten, war der Trupp ausgebrochen und stürmte auf den Appellplatz. Ich hörte von weitem die Rufe: ,, Schießt doch! Schießt doch!" Ungefähr 80 Zurückgebliebene waren starr und wagten nicht, sich zu rühren.
Die Absperrdiensttuenden, fast ausschließlich BV., griffen nun ein, und bald waren die Ausgebrochenen überwältigt und niedergeschlagen.
Was nun in der ,, Entlausung" sich abspielte, läßt sich nicht beschreiben. Alles mußte niederknien und die Blockführer feierten eine wilde Orgie. Wieviel Schädel- und Rippenbrüche es gab, weiß ich nicht. Als sie sich müde getobt hatten, erschien die Lagerleitung und stellte die Ordnung wieder her. Mein Kumpel, Albert Borkowski, und ich waren fest überzeugt, daß dies auch. für uns beide noch sein Nachspiel haben würde, ebenso wie für alle Transportler. Aber zu unserer größten Verwunderung geschah in den nächsten beiden Stunden nichts. Bald darauf kam der Lagerleiter zurück, verhörte mich kurz und sagte dann zu den Blockführern, sich ein Stäubchen vom Ärmel klopfend: ,, Was
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