Das war Nazikultur und sie sollte 1000 Jahre dauern! Korruption bei allen SS - Mannschaften bis hinauf zu den Lagerkommandanten. Die Häftlinge mußten heimlich für sie allerhand Werk- und Wertgegenstände anfertigen; aus dem hinterbliebenen Gut umgelegter Judenfamilien und politischer Häftlinge stahl man und bereicherte sich. Die Häftlinge mußten herbeischleppen; wußten sie zuviel, so wurden sie umgelegt.
Alles haben diese Konzentrationshäftlinge verloren: Geld und Gut, Existenz und Familie. Frauen der Häftlinge zwang man zur Einreichung der Ehescheidung. Bei Weigerung gab es keinerlei Unterstützung für Frau und Kinder, keinerlei Lebensmöglichkeiten mehr.
Alles verloren diese Häftlinge, doch nie den Glauben an die Vernichtung dieser SS- Banditen.
Wir glaubten an England, Amerika, an Rußland , an die anderen Nationen; an die Menschheit, die immer lauter ihre Stimme gegen die Nazibarbarei erhob. Wir sabotierten still und geheim alles, was den Nazis dienlich war; mancher zahlte mit seinem Leben dafür, wir Überlebenden hofften auf Freiheit. Bevor die schmachtende, ersehnte Freiheit aber kam, begann ein schauerlicher Totentanz. Alle schwerkranken, durch Arbeitsunfall verkrüppelten und durch Hunger und Entbehrung dem Moloch Tuberkulose verfallenen Häftlinge wurden grausam umgelegt; kamen in die verstärkt arbeitenden Verbrennungsöfen. Der Totenmarsch begann; die überlebenden Häftlinge mußten flüchten. Zehntausende marschierten als wankende Gestalten. Wer nicht mehr weiter konnte, wurde unbarmherzig durch Genickschuß liquidiert. Die Toten lagen in Massen an den Straßen; von Oranienburg über Wittstock nach Bälow; vier Tagesmärsche des Elends und Jammers. Nur das internationale Rote Kreuz rettete Tausende vor dem Hungertode durch Spenden von Lebensmittelpaketen auf den Marschstraßen. Die SS gab uns sechs bis sieben Tage nichts zu essen. Tausende starben so noch wenige Tage vor der greifbar nahen Befreiung.
Ihr Völker alle! Höret die Bitte!
Laßt errichten ein ewiges Schandmal auf dem Lagerplatz des Konzentrationslagers Sachsenhausen! Alle kommenden Geschlechter sollen hier gedenken der Grausamkeit der Nazi ,, kultur " im 20. Jahrhundert.
Niedergeschrieben am 12. Mai 1945.
Schutzhäftling Adomeit Ferdinand Nr. 17 522, Block 27.
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