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KZ Sachsenhausen / im Auftrag des Hauptausschusses "Opfer des Faschismus" herausgegeben von Lucie Großer
Entstehung
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gehörenden Häftlingskommando. Auf dem Wagen befanden sich kranke Juden, vielleicht 30 an der Zahl. Keiner von ihnen konnte stehen. Sie saßen auf dem Bretterboden des Wagens, nur ihre Köpfe ragten über die Seitenbretter hinaus. So schwankte der Wagen vorüber zum Eingang des Krematoriums, Häftlinge, zum Tode bestimmt, gezogen von Häftlingen, die das gleiche Schicksal

erwartete.

Ein Wort noch über die Vollzieher dieser Grausamkeiten. Der Oberhenker der SS im KZ.- Lager Sachsenhausen war der. Rapportführer des Lagers, SS- Hauptscharführer Böhm. Er hat seit Jahren täglich den Exekutionen an Männern, Frauen und halben Kindern beigewohnt. Er hat buchstäblich Tausende von Menschen vom Leben zum Tode befördert. Ruhig, kalt und gleich­gültig schritt er, immer die Pfeife im Munde, hinter den zum Tode Gehenden einher, manchmal sie mit Drohungen antreibend. Ruhig, kalt und gleichgültig kam er nach getaner Mordarbeit, immer die Pfeife im Munde, zurück. Ihm gleichwertig, durch seinen Zynis­mus noch abstoßender wirkend, war der Lagerführer SS- Unter­sturmführer Hoen e. Er hat ebenfalls den meisten Exekutio­nen im Krematorium beigewohnt; Erschießungen zum Teil mit eigener Hand vollstreckt. Beide befinden sich in amerikanischer Gefangenschaft.

Freiwillige Büttel und Henkersknechte der SS waren, wie schon mehrfach erwähnt, die im Krematorium arbeitenden BV. Sie zeich­neten sich durch Brutalität und Grausamkeit gegen die zum Tode verurteilten Opfer der SS aus und vollzogen auf Befehl der SS. die Todesstrafe durch Hängen und Strangulieren. Für diese Hen­kersarbeit erhielten sie SS - Verpflegung, Essen und Rauchwaren, so viel sie wollten, und genossen alle Lagervorteile. Unter ihnen waren die schlimmsten Subjekte der Vorarbeiter Hans Gärtner aus Leipzig und Hans Wolff, vor Gärtner selbst Vorarbeiter im Krematorium.

P. Koch, Häftling 37 621 Christinenstr. 15, bei Bartl.

Illegale Arbeit in Sachsenhausen

Eine wichtige Abteilung war die politische Abteilung. In sie einzudringen war nicht leicht. Gewiß, wenn unter Mittag ge­rade kein SS- Mann da war, haben wir ab und an Zugang zu den Akten gehabt, aber dieser Weg war sehr riskant. Erst als die Arbeit als Läufer für mich zu viel wurde, und ein zweiter Läufer. für die Pol. Abteilung dazukam, wurde das besser. Dieser zweite Läufer, ein junger Rotspanienkämpfer aus St. Gertraud in Kärn­ ten unser ,, Franzel"-, brachte es fertig, die Pol. Abteilung so

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