In dem allgemeinen Durcheinander, welches zur Zeit der Transportvorbereitung immer herrschte, konnte man solch einen Fehler sehr leicht begehen. Das ganze Blockpersonal beriet nun, was man in diesem Falle tun sollte.
Da seit der Abfahrt des letzten Autos nicht mehr als zwei Stunden verstrichen waren, beschloß man, zum Rapportführer zu gehen, den ganzen Irrtum aufzuklären und die falsche Karteikarte durch die richtige zu ersetzen. Das schien die einfachste Lösung zu sein. Viktor beruhigte sich, nahm den Beweis des unglücklichen Irrtums mit und begab sich zum Tor, wo sich die Blockführerstube befand. Er kam jedoch viel eher zurück, als man es erwartet hatte, Sein Gesicht war rot und seine Augen bewegten sich unruhig. Der Blockführer vom Dienst, SS- Rottenführer Eckhardt, begleitete ihn.
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, Wo ist der lebende Tote'?" war die erste Frage des SS- Mannes. Jemand lief ihn holen und in der Zwischenzeit hielt Eckhardt. einen Vortrag:
,, Ihr seid hier alle Schafsköpfe! Wahrscheinlich ist bei euch schon eine Schraube locker! Ihr denkt wohl, daß wir SS - Männer nichts anderes zu tun haben als suchen, streichen und berichtigen. Verrückt seid ihr geworden! Formell betrachtet lebt der Häftling, dessen Karteikarte der Transportführer mitgenommen hatte, nicht mehr... Seine Todesmeldung liegt ja bereits auf der Schreibstube. Damit hier brach er ab, denn man weitere Verwicklungen vermeidet"
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in der Tür erschien gerade der besagte Häftling, den ein Hilfspfleger führte. Es war ein junger Holländer, der zwar ziemlich abgemagert, aber sonst noch leidlich aussah. Er meldete sich vorschriftsmäßig bei Eckhardt und nahm eine stramme Haltung an. Über die Ursache seines Erscheinens hatte man ihn bis jetzt nicht aufgeklärt.
,, Du bist das? Hm... Du siehst ja ausgezeichnet aus!" Er sah ihn vom Scheitel bis zur Sohle genau an. Kehrt um!" Der Holländer machte gehorsam eine energische Kehrtwendung.
,, Erstklassig!" In der Stimme des Blockführers klang eine deutliche Anerkennung, obwohl seine Hand inzwischen die Pistole herauszog. Mach mal ein paar Kniebeugen und dreh dich nicht um!" Die Knie des Häftlings federten einige Male. Eckhardt trat näher heran und hob den Revolver. Schnell setzte er den Pistolenlauf an den Kopf des jungen Mannes und zog ab.
,, Erledigt! Jetzt braucht ihr nichts mehr zu ändern. Der Inhalt der Meldung stimmt nun mit der Wirklichkeit überein." Er steckte die Waffe ein und wandte sich an den bleichen Viktor: ,, In Zukunft erledigt allein solche Irrtümer. Durch diese dumme Angelegenheit mußte ich meinen Skat unterbrechen." Die letzten Worte wurden ganz ärgerlich gesprochen, wonach Herr Rottenführer Eckhardt gemächlich den Block verließ.
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