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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
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nen Augen. Wir lassen uns nichts vormachen, Herr Blockältester. Kurz gesagt: Bekommt er einen Strohsack und zwei Decken oder nicht?" ,, Er bekommt sie."

,, So gefällst du mir. Ein Pfund Fisch und ein Stück Margarine werden morgen in deiner Einsiedelei eintreffen. Und nun, meine Herren, wer spät schlafen geht, der gähnt den ganzen Tag, in diesem Sinne also! Er klopfte mir noch einmal auf die Schulter und ver­schwand. Nach einigen Minuten erhielt ich meinen Schlafplatz. Ich hatte eine Koje ganz allein zu meiner Verfügung, einen Strohsack und zwei ziemlich dicke Decken. Ich wickelte mich fest darin ein und fühlte mich vielleicht das erstemal im Lager glücklich! Lagerglücklich! In der rechten Hand hielt ich ein Stück Wurst, welche herrlich duf­tete, in der linken ein Viertel Laib Brot. Ich aẞ ganz langsam und in der Gewißheit, von niemandem gestört zu werden, Heß ich mir jeden Bissen gut schmecken, denn im Geschmack unterschied sich solch eine SS- Wurst in keiner Weise von der Vorkriegs- Jagd­wurst. Lange nach Mitternacht schlief ich ein.

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XIV. Kapitel

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Der Block Nr. 7, den man im Lager als Vorzimmer zum Krema­torium" bezeichnete, war in vier Stuben eingeteilt. Die erste be­wohnten die Genesenden und ähnliche Angeber" wie ich, die .zweite die Schwindsüchtigen und Häftlinge mit einer inneren Krank­heit, die dritte die Typhuskranken und die vierte Stube die Durch­fallkranken und solche, die eines operativen Eingriffes bedurften. Auf jeder Stube befanden sich fünfzehn dreistöckige Schlafkojen, welche nach der üblichen Lagerart für zweihundertsiebzig Kranke berechnet waren. So konnte man theoretisch auf die vier erwähnten Stuben tausendundachtzig Kranke aufnehmen. Bei meiner Ankunft auf diesem Block betrug die Anzahl der Kranken über achtzehn­hundert.

Das Krankenpersonal bestand aus dem Blockältesten Viktor Mordarski, dem Schreiber Eduard Piosecki, den Pflegern Bogdan Glinski und Stephan, einem jungen Mediziner aus der Tschechoslo­wakei , und schließlich dem Arzt Dr. Kŕause. Der Blockälteste und der Schreiber kamen für die Krankenpflege nicht in Frage, weil sie an sich schon zu sehr mit Verwaltungsarbeit belastet waren, So standen eigentlich für achtzehnhundert Kranke nur drei Pfleger zur Verfügung. Zum Unglück erkrankte noch einer von ihnen, nämlich der Tscheche, nach einigen Tagen an Typhus .

Im ganzen Block befanden sich etwa hundert Decken und einige Strohsäcke. Weder Toiletten noch Waschräume waren vorhanden, die übrigens in ganz Birkenau nicht zu finden waren. Die Kranken

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