kend näherte ich mich ihnen. Ich setzte so gut ich konnte eine Leidensmiene auf und begann mit zitternder, gebrochener Stimme über Kopfschmerzen und Brechreiz zu klagen. Ich hatte meine Leidensgeschichte noch nicht beendet, als plötzlich Karl erschien.
,, Was, dieser Hund? Der ist gesund wie ein Bulle. Die faulste Sau in der ganzen Kompanie. Es kommt gar nicht in Frage, daß er
Jub Bernatzik schaute Karl unter den Brillengläsern hindurch an. ,, Vorläufig fragt dich niemand nach deiner Ansicht, Karl. Ob dieser Häftling krank oder gesund ist, entscheide ich und nicht du. Und ob er faul ist oder nicht, das geht mich wenig an. Und was deine Bemerkung Es kommt gar nicht in Frage' angeht, so kommt es eben nicht in Frage, daß du dich in meine Tätigkeit einmischst!" Er sagte das alles mit ruhiger, gelassener Stimme, ohne von Karl die Augen abzuwenden. Dann griff er in die Tasche, zog den Fiebermesser heraus, schaute ihn prüfend an, schlug ihn herunter, schaute ihn wieder an, und ohne ein Wort zu sagen, schob er mir ihn in die Achselhöhle. Als dann Jub weiter mit dem Block ältesten sprach, ohne Karl überhaupt zu beachten, begann mich die Angst zu ergreifen. Ich wußte doch genau, daß ich weder Fieber noch sonstige Krankheiten hatte. Deshalb fürchtete ich, daß sich Jub aus der Affäre ziehen würde, wenn er nicht irgendwelche Beweise hatte, um mich für krank zu erklären, und daß ich mit Karl auf dem Block bleiben müßte. Diese Möglichkeit rückte den morgigen Tag um einige Stunden näher heran. So verstrichen einige Minuten. Endlich nahm Jub mir den Fiebermesser ab, und da er inzwischen seine Brille eingesteckt hatte, reichte er ihn dem Blockältesten.
,, Schau mal, Rudi, wieviel Grad..."
In diesem Augenblick wurde es mir wirklich heiß. Rudi schaute eine Weile hin und sagte:
,, Achtunddreißig fünf!"
Mir blieb die Spucke weg.
,, Zeig mal die Zunge!" hörte ich Jubs Stimme.
Mechanisch führte ich den Befehl aus.
,, Na ja. Ganz normal. Hast du etwa Schmerzen in der Lebergegend?"
Eifrig nickte ich mit dem Kopf. Ich war zur Zeit im Stande, alle möglichen Schmerzen zugleich zu empfinden. Ja, sogar heftige", versicherte ich begierig. ,, Und außerdem habe ich heute einige Male erbrochen.".
Bernatzik nickte verständnisvoll mit dem Kopfe. ,, Das ist typisch! Flecktyphus!" urteilte er, dann wandte er sich an den Blockältesten: ,, In Anbetracht der Ansteckungsgefahr für den Block nehme ich ihn sofort mit in den Krankenbau. Schreibe mir gleich einen Überweisungszettel aus!"
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