„Heute bist du noch in Sicherheit, aber für den morgigen Tag übernehme ich keine Garantie. Benachrichtige deine Freunde, damit ‚sie dich aus dem Block herausholen."!
Bis zum Arbeitsschluß wich ich‘nicht. von seiner Seite. In. der Zwischenzeit schrieb ich. einen kurzen Brief an Kukla:
Mein Lieber! Ne: Pr
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"Willi.ist der Meinung, daß ich aus der Kompanie verschwin- den muß.” Wenn Du etwas in meiner Angelegenheit tun Kannst, bitte ich doch sehr darum. ‚Karl„Dachdecker" versuchte mich heute zu erledigen, aber Willi verhinderte es. Solltest Du etwas unternehmen können, dann sprechen wir nach miteinander. Wenn nicht, dann: vergiß nicht, nach dem Verlassen des Lagers meine Familie zu grüßen... Servusl.: Ba2lA-
‘Diesen Brief gab ich auf dem Rückwege, als wir an der Küche ‘ vorbeigingen, einem Kameraden mit der Bitte, ihn sofort dem Häft- ling 702, das heißt Kukla, zu überbringen. 5 Bis zum Abend wartete ich voller Unruhe. Ich konnte mir noch nicht vorstellen, auf welche Weise man mich aus dem Block heraus- holen würde, aber ich war sicher, daß Kukla alles in Bewegung setzen würde, um mir zu helfen. i Bei jedem’Offnen der Tür sprang ich auf, aber bis zum Gong" schlag kam niemand.; und mit lauter schwarzen Gedanken über. das, was der morgige Tag bringen könnte, legte ich mich schlafen. Ich konnte _ jedoch nicht einschlafen und'wälzte mich von einer Seite auf die. anderg. Ich versuchte mir einzureden, daß der nächste‘ Tag doch noch„günstig verlaufen würde, aber beruhigen konnte ich mich nicht. Sobald ich die Augen zumachte, sah ich die fettleibige Ge- .stalt Karls, seine schlechten Augen, in denen man nichts Mensch-. ‚> liches ‚mehr. wahrnehmen‘konnte. Vor meinen Augen zogen die Bilder von Karls Tätigkeit vorüber. Ich sah von neuem die grau- sigen Szenen, wie er andere Kameraden würgte und die schreck- liche Gewißheit des nächsten Tages stand mit Entsetzen vor mir... . Gegen elf Uhr nachts knarrte plötzlich die’ Tür. Jemand kam auf "den Block. Ich hielt‘den Atem an und horchte gespannt auf. Man sprach ziemlich laut mit dem Blockältesten und gleich darauf. hörte sach rufen: 4 25 „Kranke antreten!’\ 5 i ‚In der nächsten Minute war ich unten. Instinktiv fühlte ich hier eine Rettung. Auf dem Korridor stand neben der Tür in Begleitung des Blockältsten der Oberpfleger des Lagers, Jub Bernatzik. Wan-
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