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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
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gelingen können, und daß wir letzten Endes alle dafür verantwort­lich wären. Nachher wurden wir mit einer doppelten Postenkette umgeben und marschierten in Richtung des Lagers ab. Unterwegs begegneten wir einigen Autos mit SS- Männern, die bis an die Zähne bewaffnet waren. Sie fuhren an die Stelle des Aufruhrs, um die Flüchtigen zu suchen. In einem Sonderauto fuhr eine Meute von Polizeihunden.

In Friedhofsstimmung kehrten wir ins Lager zurück. Auf dem Hofe des Blocks nahmen wir wie zum Appell Aufstellung und die Kapos nahmen auf Molls Befehl eine Leibesvisitation vor. Das kleinste Taschenmesser wurde als Waffe betrachtet, und nach einigen Minuten dauernder ,, Bearbeitung". trug man seinen Besitzer unter die Mauer.

Nach der Visitation begann man unsere Nummern aufzurufen. Die Aufgerufenen stellte man in Reihen zu zehn Mann wie zum Appell auf. Auf diese Weise wurden die Namen der Flüchtigen er­mittelt.

Gegen Abend kam Moll noch einmal. Er befahl, die inzwischen angekommenen Tagesrationen der Küche zurückzusenden und hielt wieder eine kurze Rede:

,, Ich weiß, daß die Flucht seit längerer Zeit vorbereitet war. Wenn ihr bis morgen früh die Namen der Urheber nicht bekannt gebt, wird die ganze Strafkompanie erschossen. Verstanden?"

Jawohl!"

,, Auf die Blocks weggetreten!"

Nach einigen Minuten lagen wir still und schreckerfüllt in unseren Kejen..

XII. Kapitel

Am nächsten Morgen teilte man uns vor dem Appell in zwei Gruppen ein. Die eine umfaßte sämtliche Träger der roten Punkte, die andere alle übrigen Häftlinge.

Die ,, Rotpunkt- Träger" bildeten beim Appell den rechten Flügel; wir nahmen den Platz beim Tore ein. Nachdem der Blockführer das Rapportbuch abgenommen hatte, fiel das Kommando:

Die alte SK zum Ausmarsch zur Arbeit fertigmachen! Die roten Punkte bleiben zurück!"-

Eine verhältnismäßig kleine Gruppe der ursprünglichen SK stellte sich schnell in Fünferreihen in Richtung des Ausgangstores auf. Wir waren alle zusammen etwa achtzig Mann, ein Drittel davon Kapos und Vorarbeiter. Ihre Mienen ließen nichts Gutes ahnen. Ich schaute mich um. Am Ende der Kolonne stand mein ,, Beschützer" Willi Brachmann. Von einer Vorahnung erfaßt, ging ich zu ihm hin.

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