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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
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Das freut mich. Im Regenwetter werden Moll und seine SS­Männer nicht sehr achtsam sein.

Es beginnt zu regnen. Zunächst tropfenweise, dann werden diese Tropfen größer und schließlich gießt es wie aus Kannen.

Die Kompanie arbeitet weiter. Nach der Meinung unserer Vor­gesetzten bildet der Regen kein Arbeitshindernis. Ich knöpfe meine Jacke bis unter den Hals zu und bemerke, wie in demselben Augen­blick die Tür der Bude aufgeht und Moll in ihrem Rahmen erscheint. Moll schaut eine Weile auf die Gestalten der Häftlinge, die sich im Regen ducken. Ich lasse keinen Blick von ihm. Er dreht sich lang­sam um, schaut auf die Uhr und greift in die Tasche. Ich werde bleich. Deutlich fühle ich, wie mir alles Blut aus dem Gesicht weicht. Moll hält die Trillerpfeife in der Hand, hebt sie zum Mund und ein langer schriller Pfiff zerreißt die Luft.

Arbeitsschluß!

Und die Uhr zeigt halb fünf...

Ich wende den Kopf in der Richtung, wo Lachowicz mit seiner Gruppe arbeitet. Sie sind allein und die Entfernung bis zur nächsten Gruppe beträgt ungefähr dreihundert Meter.

Was nun?

Wie wird sich jetzt Lachowicz verhalten? Der vorher ausgearbei­tete Plan wird wohl durchgeführt werden, dessen bin ich mir be­wußt. Ich spüre kalte Schweißtropfen auf der Stirn und stehe be­wegungslos, wie hypnotisiert.

Und plötzlich...

Vom Wall he: höre ich einen Schrei und sehe eine in die Luft geschleuderte Jacke. Einige Häftlinge stürmen auf den Wall. Die Gestalt des Postens verschwindet und kurz darauf sehe ich ihn liegen. Die Fliehenden laufen über ihn hinweg. Ich schaue mich schnell um. Die Entfernung zwischen mir und der Fluchtstelle be­trägt gute zweihundert Meter. Einige Meter neben mir steht Moll denke ich ganz verwirrt. Wenn ich mich von der Stelle rühre blitzschnell knallt er mir eine Kugel in den Kopf.

-

Die Häftlinge laufen in heillosem Durcheinander von allen Seiten heran. Die SS- Posten werfen ihre Gewehre hin und jagen den Wall entlang. Ich sehe ganz deutlich Gestalten, die den Wall überschrei­ten und auf seiner anderen Seite verschwinden. Plötzlich erscheint Karl ,, Dachdecker" mit anderen Kapos oben auf dem Wall. Er hält eine Axt in der Hand und schreit unmenschlich. Einige Meter von ihm entfernt erklimmt der Häftling Pajaczkowski den Wall. Karl wirft sich auf ihn. Eine Weile ringen sie, miteinander. Dann fällt Pajaczkowski von Karls Knüppel getroffen zu Boden.

Dieser Augenblick. war ausschlaggebend: Die anderen Häftlinge, die in Richtung des Walles liefen, hielten plötzlich, und Kommando­

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