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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
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Der SS- Mann schaute Teo sprachlos an. Endlich brachte er her­aus: Was denkst du dir eigentlich? Du vergißt, daß du auch ein Häftling bist wie alle anderen", damit zeigte er auf uns ,,, und die Binde eines Oberkapos kannst du leicht zusammen mit deinem Kopf verlieren.'

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,, Ich habe noch nie vergessen, daß ich ein Häftling bin und ebenso werde ich nie vergessen, daß Sie ein SS- Mann sind. Daß ich unabhängig vom Verlust der Binde den Kopf jederzeit verlieren kann, weiß ich, damit rechnete ich von dem Tage an, an dem ich die Häftlingsjacke anzog. Außerdem, Kommandoführer" er schaute auf die Uhr wir unterhalten uns schon acht Minuten, zweihun­dertfünfzig Häftlinge stehen in derselben Zeit untätig herum, acht mal zweihundertfünfzig macht zweitausend Minuten, das heißt drei­unddreißigdreizehntel Arbeitsstunden, die verlor der Staat, nur weil Sie sich mit mir unterhalten; weil man in einer Stunde durchschnitt­lich zehn Sandloren mit Kies beladen kann, verloren wir ungefähr dreihundert Loren Kies, der beim Bau von Fabrikhallen unbedingt nötig ist. Wollen Sie noch lange die Arbeit sàbotieren?" Die letzten Worte sprach Teo mit erhobener Stimme, indem er dem Kommando­führer gerade in die Augen schaute.

Diesmal antwortete der SS- Mann kein Wort. Er winkte nur mit der Hand ab und begab sich zu seiner Bude.

Teo kehrte zu uns zurück.

,, Habt ihr alle gehört? Zur Arbeit weggetreten!"

An diesem Vormittage förderte man mehr Kies als an anderen Tagen während der ganzen Schicht.

Nach dem Mittagessen trat ein neuer Vorfall ein, der die Herzen der Häftlinge restlos für Teo eroberte.

Karl Dachdecker, der gefürchtete Kapo der SK, erwischte in der Latrine einen jungen Kerl, der eine Zigarette rauchte.

,, Du schmutziger Hund" Karls Faust landete in der Magen­gegend des jungen Häftlings ,, Lust zum Rauchen hast du bekom­men, was? Du Schweinehund!"

Das Geschrei des Geschlagenen lockte Teo herbei. Schnell eilte er zur Latrine und riß den wütenden Dachdecker von seinem Opfer. ,, Ich habe heute angesagt, daß das Schlagen verboten ist!" ,, Du kannst mich sonstwo!" Karl konnte sich nicht mehr beherr­schen und benahm sich wie toll. ,, Ich werde diesen Hund erschla­gen. Und du" er wandte sich an Teo ,,, paß auf, daß du nicht auch was abbekommst." ,, Du Saupole", wieder wandte er sich an den Jungen.

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Teo begann sofort mit der Vergeltung. Schon erreichte seine rechte Faust Karls Kiefer, wobei die linke seinem Magen zugleich einen Schlag versetzte. Der dicke Karl taumelte einige Meter und

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