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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
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Wacek ergreift den ersten Leichnam unter den Armen und reicht. ihn uns weiter.

,, Ach so ist es!" denke ich nun, unsere Arbeit ist es also, die Vergasten aus dem Bunker zu tragen."

,, Aufstellen!" schreit wieder Wacek ,,, macht eine Kette!"

Die Kette" war gewöhnlich ein Mittel, mit deren Hilfe man Ziegel beim Ausladen aus einem Eisenbahnwagen schnell weiter­reichen konnte. Es kam mir aber beim Ziegelladen nie der Gedanke, daß man auf ähnliche Weise auch Menschen ,, laden" könnte.

Wir arbeiteten bis spät in die Nacht.

Nachdem wir den Bunker geleert hatten, mußten wir noch die Toten nackt ausziehen und deren Bekleidung auf besondere Haufen legen. Am nächsten Tag wanderte sie in die ,, Bekleidungskammer" und vermehrte deren Bestand.

Wir zählten 1473 russische Uniformen und über 190 Stück Lager­bekleidung. Die letztere gehörte den Kranken aus dem Krankenbau, welche vom SS- Obersturmführer Entres als ,, arbeitsunfähig" bezeich­net und bei der Gelegenheit" zusammen mit den russischen Kriegs­gefangenen vergast wurden...

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Nach getaner Arbeit" brachte man uns zwanzig Mann einen Fünfzigliterkessel voll Suppe, wobei noch jeder von uns ein halbes Brot bekam.

Der ganze Kessel wurde fast unberührt auf den Block zurück­gebracht.

Das war in Auschwitz das erstemal, daß man Gas als Liquidie­rungsmittel der Häftlinge anwandte.

VIII. Kapitel

DEN UNBEUGSAMEN KÄMPFERN FUR DIE MENSCHEN­RECHTE IM KZ

DR. ALEX ČEPIČKA, JOSEF CYRANKIEWICZ,

HERMANN LANGBEIN

widmet dieses Kapitel

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der Autor.

Zu Beginn des Herbstes wurde der Posten des Oberkapos" der SK neu besetzt. Die Stelle des ewig betrunkenen Adolfs, der nach dem Genuß einer Flasche Methylalkohols gestorben war, nahm Teo Brüning aus Essen ein. Seine Herkunft wurde sehr umstritten, und es bildete sich sogar ein Kranz von Legenden um seine Person. Einige Häftlinge behaupteten, er sei ein ehemaliger hoher Partei­

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