.., Gib ihm fünfundzwanzig!" Er erteilte den Befehl mit erhobener Stimme.
Und nun geschah etwas ganz Unerwartetes. Die winzige, bis jetzt zitternde Gestalt des Symcha Szmedra, des kleinen Schneiders aus. Podgorze, begann sich aufzurichten, schien zu wachsen und riesenhafte Ausmaße anzunehmen. Über die atemlos wartende Reihe der Strafkompanie legte sich eine merkwürdige, feierliche Stille...
Die Arme des kleinen Juden streckten sich, als wollte er stramme Haltung annehmen. Seine schwindsüchtige Brust begann sich keuchend zu bewegen. Die Augen, die bisher eine wahnsinnige Angst ausgedrückt hatten, begannen plötzlich zu leuchten
,, Hast du gehört? Du sollst ihm fünfundzwanzig kleben!" wiederholte Gerlach seinen Befehl.
Auf Szmedras Stirn standen die Schweißtropfen wie silberne Perlen. Eine Weile schaute er noch unbestimmt vor sich hin. Dann hob er gewaltig den Kopf und mitten in die lastende Stille hinein sprach er mit einer Stimme, die vor Erregung leicht zitterte:
,, Ich werde ihn nicht schlagen!"
Uns stockte der Atem in der Brust. Der Anblick Szmedras, der mit erhobenem Haupte und glänzenden Augen vor dem riesenhaften Gerlach stand, machte einen überirdischen Eindruck.
Für Augenblicke herrschte Stille voll schrecklichen Erwartens. Das Gesicht Gerlachs rötete sich, als ob im nächsten Augenblick das Blut aus seinen Adern treten wollte. Seine Augen kniffen sich voller Tollwut zusammen. Er trat einen Schritt auf den Juden zu. , Was?" In dieser Frage entlud sich seine ganze Raserei. ,, Du willst ihn nicht schlagen? Du? Du blöder jüdischer Hund, du weigerst dich, meinen Befehl auszuführen?" Seine Faust, nicht viel kleiner als Szmedras Kopf, versetzte dem Juden einen furchtbaren Schlag.
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Szmedra fiel wie vom Blitz getroffen zu Boden. Im nächsten Augenblick traf der genagelte Stiefel des SS - Mannes den Bauch des Liegenden. Ein durch Mark und Bein dringender Schrei erscholl. Szmedra krümmte sich vor Schmerzen. Der nächste Fußtritt wurde in die Nierengegend versetzt. Wieder ein Schrei...
Man konnte das nicht mit ansehen. SS- Rottenführer Gerlach hackte und schlug zugleich. Man hatte den Eindruck, daß dieses Hacken und Schlagen ihm nicht genügte, daß er sein Opfer am liebsten in Stücke gerissen hätte... Der Widerhall der Schläge und Gerlachs schwerer Atem durchbrachen die grausige Stille. Symcha Szmedra schrie nicht mehr...
Endlich hörte Gerlach auf. Mit riesenhaften gespreizten Tatzen stand er eine Weile still über dem Liegenden, dann wischte er sich mit dem Taschentuch den Schweiß.
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