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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
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zusperren. Sie erhalten nichts zu essen und zu trinken, bis sie kre­pieren Haben alle verstanden?"

,, Jawohl!" ertönte es einstimmig aus fast fünfhundert Kehlen. ,, Wegtreten!"

Wir gingen in den Block und erörterten diese Verordnung. Wir brauchten sie nicht zu fürchten, denn die SK wurde so scharf be­wacht, daß eine Flucht fast unmöglich war. Seit dem Bestehen des Lagers war noch kein Häftling aus der. Strafkompanie geflohen... Im Lager geschah es in der letzten Zeit ziemlich oft.

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Die nächsten Tage vergingen schnell. Sie ähnelten einander in threr. furchtbaren Gleichförmigkeit. Früh Weckén, Waschen, Kaffee­empfang, dann Appell, Ausmarsch und Arbeit eine Anzahl ver­prügelter Pechvögel, einige Tote dann Mittagsessen. Nach dem Mittagessen wieder Arbeit bis zum Gong mit dazugehörigen ,, Ab­wechslungen", Rückmarsch ins Lager, ein mehr oder weniger langer Appell, Kaffee- Empfang und Schlafen Und das jeden Tag von neuem, ohne besondere Änderung.

Eines Tages wurde unsere Kolonne umgruppiert. Das geschah zu meinem Nachteil. Denn statt wie bis jetzt am Sieb zu arbeiten, wurde Ich der Gruppe zugeteilt, die Gestrüpp trug. Unser Vorarbeiter Willi Mengler, ein Sachse, verhielt sich anständig; befehlsgemäß trug er zwar wie alle anderen einen Knüppel, machte aber sehr selten von ihm Gebrauch. Wir waren zusammen mit dem Vorarbeiter zwanzig Mann in der Gruppe. Bis zur Mittagszeit, ging die Arbeit ruhig voran. Ich war sogar zufrieden; denn über dieser Arbeit verstrich die Zeit viel schneller als früher. Wir aßen unser Mittagbrot, und die übrige Zeit verbrachten wir wie gewöhnlich im Gespräch über das Essen. Jeder gab an, was er jetzt am liebsten essen würde, er­wähnte seine Lieblingsspeisen aus der Zeit der Freiheit, und so ver­ging die Mittagspause.

Nach dem Essen nahmen wir dieselbe Beschäftigung wieder auf. Von Zeit zu Zeit erlaubte Willi einem, in die Latrine zu gehen.. Und weil Stanislaw Nowaczyk, Häftling Nr. 8505, an dem im Lager üblichen Durchfall fitt, staunte niemand besonders darüber, daß er dreiviertel des Tages im Klosett verbrachte. Gleich nach dem Mit­tagessen bat er Willi um Beurlaubung und lief schnell in Richtung der Latrine. Es verging eine Viertelstunde, eine halbe Stunde, drei­viertel Stunde Nowaczyk kam nicht zurück... Der beunruhigte Vorarbeiter schickte einen Häftling, um nachzuschauen... Wir waren alle überzeugt, daß unser Kranker schwach geworden war, und einfach keine Kräfte hatte, um zur Gruppe zurückzukehren. Nach einer Weile kam der Bote zurück. Nowaczyk war nicht im Klosett.

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