ergriff, nach vorn aus. Er spannte mich, bis es mir in den Knochen knackte.
Ich biß die Zähne aufeinander und wartete. Indessen erprobte Blockführer Gerlach die Biegsamkeit des Ochsenziemers.
..Wenn er dich zu schlagen beginnt, dann zähle laut!" hörte ich plötzlich Kurt flüstern.
Erst später stellte ich fest, wie wertvoll diese Bemerkung war. Die Schläge wurden nämlich erst von dem Augenblick ab.gerechnet, da der Geschlagene selbst laut zu zählen begann. Manchmal gab man ihm erst nach dem zwanzigsten Schlage zu verstehen, daß er anfangen sollte.
Die wenigen Sekunden, welche verstrichen von dem Zeitpunkt, da ich bereitlag, die Schläge zu empfangen, bis zu dem Augenblick ,. da ich den ersten Schlag erhielt, erschienen mir länger als Stunden. Unheimlich lange dauerte das...
Endlich. Endlich.
Eins...
1
ein kurzer, brennender Schmerz, wie ein Verbrühen, wie ein Stechen. Der Schmerz ist im ganzen Körper zu spüren. Die Fingerspitzen, die Haut auf dem kahlrasierten Kopfe alles schmerzt höllisch.
Zwei... Fünf...
Die Zeit zwischen einem Schlage und dem folgenden scheint eine Ewigkeit zu sein. Wie Blitze kreuzen sich die Gedanken in meinem Gehirn. Warum schlägt er nicht? Worauf wartet er? Will er mich etwa durch Genickschuß erledigen???
Acht... Zwölf...
Verworrene Gedanken. Angst... Alles brennt schon und zwickt. Nur nicht schreien... Und doch möchte man schreien
Viel
leicht ist es sogar besser zu schreien, vielleicht hören sie dann auf zu schlagen?
Sechzehn.... Neunzehn...
Nein! Man darf nicht schreien. So manchen, der Schwäche zeigte, haben sie getötet. Man muß stark sein, stärker als man ist.
Zweiundzwanzig...
Noch drei... zwei... ein Schlag!
,, Fünfundzwanzig!"
-
In diesem Ruf entlud sich der ganze Schmerz. Aber er klang siegreich.
Ich hatte kein einziges Mal geschrien.
Kurt Pennewitz ließ meine Hände los.
,, Nun mußt du den Strafempfang dem Lagerführer melden", flüsterte er mir wieder zu.
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