,, Du blöder Hund!" hörte ich plötzlich, und in demselben Augenblick fühlte ich einen Schlag auf die Zähne. Blitzschnell kam ich zur Besinnung...
Vor mir stand der Blockführer, den wir Tom Mix nannten. Ich hatte im Vorbeigehen vor ihm nicht die Mütze abgenommen, wie es die Lagerordnung erforderte.
,, Häftling 8214", stellte ich mich geräuschvoll vor, indem ich meine Holzpantinen zusammenschlug.
,, Du bist wohl besoffen, was?" Ein zweiter Schlag, der mir mit einem bezaubernden Lächeln in den Magen versetzt wurde, warf mich zu Boden. Aber sofort riß ich mich hoch, denn ich erinnerte mich an die Gewohnheit der SS - Männer, den Liegenden Fußtritte zu
versetzen.
,, Ich bitte um Verzeihung, ich habe Sie nicht bemerkt, aber ich habe einen wichtigen Befehl vom Rapportführer an den Krankenbau", schwindelte ich glatt.
Tom Mix wurde herablassender.
So, da hast du aber Glück, hau ab!"
,, Bitte abtreten zu dürfen!" Eine Kehrtwendung, und schon lief ich weiter.
Jetzt war ich aber wirklich bei voller Besinnung und nüchtern. Im Block verkroch ich mich im Keller und drehte mir eine Zigarette aus den Tabakabfällen, die ich am Tage zuvor gefunden hatte. Nun konnte ich schon ruhiger und zielbewußter überlegen.
Also SKI
Das, was im ganzen Lager für schrecklicher als eine Hinrichtung galt: Strafkompanie!...
Unwillkürlich stieg vor meinen Augen das täglich geschaute Bild der von der Arbeit zurückkehrenden SK- Kolonne auf.
Eine lange Schlange menschlicher Schatten, die auf ihren Beinen dahergetaumelt kam und mit ihren Holzpantinen das Steinpflaster der Straße im Gleichtakt erklingen ließ, an deren Ende man beständig die Opfer des Tages trug... Leichname durch Erschießen Ermordeter, mit Knüppeln Erschlagener und bei der Arbeit eines sogenannten natürlichen Todes" Gestorbener... Und den Marschtritt übertönte das mit letzten Kräften geschriene Lied der Strafkompanie:., Die blauen Dragoner, sie reiten..."
Sobald dieses Lied erklang, leerten sich die Straßen des Lagers. Für einen zu neugierigen Blick auf die Reihen der Strafkompanie konnte man selbst hineinkommen...
Die nächsten Tage aß ich. Ich aß wie noch nie vorher und nie nachher im Lager. Der Blockälteste, zufällig ein anständiger Kerl, befreite mich für den Rest der Tage, die mich vom Durchschreiten der Pforte zur Strafkompanie trennten, von der Arbeit. Die Kamera
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