sie sehr krank geworden, hat lange Wochen im Revier gelegen, worin sie sich bei meiner Entlassung noch be- fand, und ich weiß bis heute nicht, was aus ihr gewor- den ist. Am Morgen meiner Entlassung sie hatte da- von im Revier auch erfahren, denn so etwas Außer- gewöhnliches ging natürlich wie ein Lauffeuer durch das Lager stand sie noch winkend, unsagbar traurig am Fenster. Ich hätte sie auf meine Arme nehmen und zu ihrer guten Mutter nach Holland zurücktragen mögen,

Und Alfredine, wie mag es dir gehen? Sie war irgendwo im Saargebiet Sekretärin des Borromäusvereins gewesen, verbrachte drei Jahre im Konzentrationslager, wurde dann entlassen, aber nicht nach Hause. Sie mußte als Zivilangestellte im Büro des Lagers weiter arbeiten. Alfredine war so sanft wie Mirzel, hatte wunder- bare, schwarze Augen, die hell aufloderten vor Ent- rüstung, wenn sich in ihrer Umgebung etwas Ungerech- tes und Gewalttätiges abspielte. Sie hielt sich sehr zurück, war in ihren wenigen, freien Minuten nur mit Mirzel, Käthe und mir zusammen, und oft und innig haben wir, wenn unsere Zeit es am Sonntag er- laubte, ganz einsam irgendwo in einer Ecke versteckt, heimlich und ungesehen, bei Kälte und Schnee, unsere Sonntagsmesse auswendig gebetet.

Käthe, Nettchen nannten wir dich, auch du gehör- test zu unserem Bunde, obwohl du als Küchenhäftling auf dem Küchenblock III beheimatet warst. Als Fürsor- gerin inKrefeld tätig gewesen, wurde sie wegen einer abfälligen Bemerkung über das Dritte Reich ihres Postens enthoben und in Haft gesetzt. Lange Jahre weilte auch sie im Konzentrationslager. Sie war eine der Getreue- sten, ein edler Mensch mit reiner Seele, blieb sich immer gleich, war immer freundlich, immer gut, ganz verankert in Gott . Noch am zweitletzten Abend vor meiner Ent- lassung war ich kurz mit ihr zusammen, und wir spra- chen von daheim. Nach ihrer Entlassung erhielt ich von ihr aus Frankfurt einen Brief. Auch sie hat durch Bombenangriffe all ihr Hab und Gut verloren und ist

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