freiung dieses Konzentrationslagers geschlummert haben. Auf jeden Fall, ich habe es gewagt und wirklich Herz­klopfen und schlaflose Nächte deswegen gehabt. Nie habe ich im Lager mit einem einzigen Menschen darüber gesprochen. Wäre ich verraten worden, man hätte mich zu Tode geprügelt!

Wie viele, viele Häftlinge wurden allwöchentlich zur Schlachtbank, zum Block getrieben! Arme unglückliche Opferlämmer! Und ich mußte sie zur Strafvollstreckung in den Zellenbau, in das Haus des Grauens und des Todes, begleiten. Weinend ging ich neben ihnen her. Für den ganzen Tag war ich dann fertig. Diese Aufgabe hat mich seelisch so stark belastet und gequält, daß ich nachts nicht mehr zur Ruhe kommen konnte, zumal die Oberaufseherin unberechenbare Launen gerade mir gegenüber an den Tag legte. Sie fühlte wohl meinen stillen, aber umso heißeren Widerstand und meine große Verachtung für sie und ihresgleichen. Ich konnte nicht ,, schmusen" und wollte es nicht, hier nicht. Nein, das war unter meiner Würde! Da ließ ich mich lieber von ihr wie ein Sklave behandeln.... Ich glaube, daß sie mich gern los sein wollte; denn eines Tages überwies sie mich dem Lagerinspektor, dem die sogenannte Arbeitseintei­lung für das gesamte Lager unterstellt war. Es war das der kuriose, widerliche Mann, der mich stets zu Grimas­sen zwang. Mit dem mußte ich nun zusammen arbeiten. Auch das noch! Für ihn waren die Häftlinge nur ,, Dreckschweine" ,,, Saustücke"," gehirnlose Kühe" und ,, alte Stücke Sch...". Nun mußte ich ihm gegenüber doch ein bißchen Haltung bewahren. Also zwang ich mich auch dazu.

Von nun an schwirrten mir nur Zahlen, Zahlen bei Tag und Nacht durch den Kopf. Bis zur Ermattung saß ich an der Maschine, rechnend und nachzählend; denn bei achtzehn- bis neunzehntausend Häftlingen täglich auf­führen müssen, wo jede Einzelne arbeitet, bis am Ende die genaue Zahl der Insassen des Lagers, die sich täg­lich durch neue Zugänge, Abgänge, Überweisungen in das Revier, in den Arrestbau, durch Flucht und Tod

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