Verpflegung bekamen wir gegen Abend: 1/10 Brot. Die ausgehungerten Menschen waren allmählich wie Tiere geworden. 2 Priester, 1 Kapuzinerpater und 1 Jesuitenpater, waren, als sie sich etwas von unserer Gruppe entfernten, von einer Bande überfallen und gänzlich ausgeraubt worden. Sie hatten weder Decke, noch Brot oder sonst etwas.
Es nahte der Abend. Inzwischen hatte sich P. Provinzial wieder eingefunden. Trotzdem ich sehr betrübt war, daß ihm sein Fluchtplan nicht gelungen war, so freuten wir uns doch, wieder beisammen zu sein und das Ende gemeinsam erleben zu dürfen. Um diese Abendstunde konnten wir noch nicht anders glauben, als daß es ein düsteres Ende würde.
Es war inzwischen von den SS - Führern beschlossen worden, einige Kranke in einer Scheune unterzubringen. Gegen 9.30 Uhr abends wurden wir auf einmal von P. Stumpf aufgerufen:
,, Alle Priester sofort antreten!"
Da wir instinktiv fühlten, was das bedeuten konnte, holten wir in aller Eile die Verstreuten zusammen, wir waren 35. Wir standen am Wegrand und da wurde uns folgendes bedeutet: ,, Sie setzen sich auf den Marsch in das nächste Dorf. Am Dorfrand empfängt sie ein SS- Mann. Dann werden sie dem Pfarrer übergeben."
Wir wurden in einem Nu sehr aufgeregt. Bedeutete das die Freiheit? Wir weckten noch einige Laien, die uns nahestanden und schoben sie stillschweigend als„ Priester" in unsere Schar. Als wir uns nun in Marsch setzten, standen am Wege zwei Judenbüblein, der eine 11jährig, der andere 13jährig, ein Pole und ein Slowake. Beide weinten bitterlich. Sie waren durch ihren Dolmetsch bei dem SS - Führer vorstellig geworden, daß sie ins Revier geschafft würden. Sie hatten völlig vereiterte Füße
160
F
K
T
S
n
V
V
I
S
11


