aufgestöbert und erneuert hatten, wie gebaut, ge- zimmert, geleimt und gestrichen wurde und wie sie diese Arbeit nicht nur als ein fröhliches Basteln, son- dern auch als eine seelische Bereitung zum Fest auf- faßten. Wie dann die Buben-Weihnacht auch auf die alten Leute übergriff und wie sie ein fröhliches Weihnachtssingen alter, schöner Lieder vorbereite- ten und aufführten. Das war im Sudetenland , wo viel katholisches Gut seit dem Josefinismus ver- schüttet lag und in dieser Feier einmal wieder ur- kräftig aufbrach.
Als Dritter berichtete ich„Die letzte Weihnacht im Studienheim Schönstatt“. Immer war um die Weih- nachtszeit bei den Buben das Gerücht aufgebrochen: wir dürfen nach Hause. Als aber ihnen in diesen Weihnachtsferien, die die letzten im Studienheim sein sollten, freigestellt wurde, heimzugehen, da gingen sie nicht. Auch die Rheinbacher kamen und es sollte schöne Weihnacht werden. Längst wußten wir aus unserer Arbeit, daß man soviel aus der Ge- meinschaft herausholt, als man hineinsteckt an Opfer und Arbeit. Deswegen war es unsere Sorge, daß alle etwas Reelles, Lebendiges beitragen mußten zum Feste. Da war die oberste Klasse, die den Speise- saal zu einem märchenhaft schönen Raum umgestal- tete. Die nüchternen Kugeln der Lampen wurden zu Kronleuchtern umgearbeitet. Mit Flechtarbeit und Holzsägearbeit wurde ein künstlerischer Tischschmuck hergestellt, Leuchter wurden gefertigt und kunst- voller Wandschmuck. Auch der Schmuck des Baumes und der Tannengirlanden wurde sinnig aus religiösen Motiven selbst hergestellt, sodaß am Weihnachtsabend der Saal wunderschön war. Das kostete viel Arbeit, machte aber umso größere Freude. Da war die andere Klasse, die das Weih- nachtsliederbüchlein herstellte, das war mühselig und erforderte alle Kräfte und eine gute Organi- sation. Der kleine, lichthaarige Ludwig M. stellte sich dabei als fähiger Leiter und unerbittlicher
130


