Druckschrift 
Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
Seite
122
Einzelbild herunterladen

zweitenmal gestohlen. Auch diesmal konnte ich ihm Schuhe, wenn auch reichlich große, verschaffen und dann griff ich ihm mit Lebensmitteln unter die Arme und so wurde unsere Freundschaft von Tag zu Tag enger. Bald merkte ich auch, daß er für unsere Schönstattsache aufgeschlossen war. Und obgleich es mit unserer Unterhaltung nicht so einfach war, er kauderwelschte ein unmögliches Deutsch, so verstan­den wir uns doch. Er war nicht auf unserem Block, weil er in seinen Papieren als Arbeiter und nicht als Theologe geführt wurde. Alle Bemühungen, ihn her­überzuziehen in unseren Block, blieben vergeblich. Als nun im Herbst die Gartenarbeit aufhörte, rückte die Gefahr für ihn heran, auf Transport gesetzt zu werden. Nun versuchte man auf unserem Block auf meine Fürsprache hin, ihn als Stubendienst herüber­zuziehen. Gerade sollte er im November auf unseren Block kommen, da brach in seinem Block der Typhus aus und die Quarantäne wurde darüber verhängt. Nun saß der arme Kerl auf seinem Zimmer inmitten Hunderten von Leuten, von denen Tag für Tag 20, 30 ja mehr starben. Tag für Tag brachte ich ihm Lebensmittel, Butterbrote, Kuchen und anderes, was wir hatten, mußte es ihm heimlich durch den Draht­zaun reichen. Tag für Tag brachte ich ihm morgens in der Frühe die heilige Kommunion in einem Blech­kästchen. Oft schrieben wir uns lange Briefe, aber die Wochen vergingen und die Seuche wütete weiter. Er, der junge, lebenslustige Kerl, mußte Tag für Tag ein fürchterliches Sterben in nächster Nähe erleben. In diesen Monaten wurde aus dem Kind, der er noch war, ein reifer Mensch. Es kam das Weihnachtsfest, schon lange hatte er keinen Gottesdienst mehr ge­habt. An diesem Tag wollte ich ihn doch auf unse­rem Block haben, deswegen bestach ich mit Zigarren, einer Kostbarkeit im Lager, seinen Blockältesten und er erlaubte wirklich, daß Marcel R. am Weihnachts­tag morgens auf unseren Block schlüpfen konnte. Nun durfte er am Pontifikalamt teilnehmen. Wir

lud

gen

Pa

gro Bri

em

bar WO

gen wa

und

De

kla

ste

da

lan

hei

Se

gro

Wi

and

lich ihr

wa

che

göt

Dr

sei

ve

ga

Se

tag

ve

un

Wi

die

im

un

wa

122