war er„durch den Kamin gegangen“— wie der poe- tische Dachauer Ausdruck hieß.—
Und noch ein typisches Lagerbild:
Dem Priester-Block 26 gegenüber liegt der Todes- Block 25. Allmorgendlich sehen wir in langer Reihe die nackten Leichen liegen. Als der Toten mehr werden, deckt man die Blockpforte mit Decken ab. Aber zu Zeiten werden diese doch emporgehoben. Da sehe ich eines Tages ein Bübchen von etwa acht Jahren an der Blockpforte stehen, die Händein den Hosentaschen, die Beine gekreuzt; pfeifend schaut er gleichgültig auf die Lagerstraße, um zu sehen, was dort vorgeht. Und der Hintergrund zu diesem sorg- los pfeifenden Jungen: eine lange Reihe ausgemergel- ter, unbekleideter Leichen, die wenige Schritte hinter ihm liegen.
Das ist überhaupt eines der grauenvollsten Kapıteli Dachauss: Die Kinder!
Hunderte von Kindern von 5—15 Jahren im Lager: elternlos, pfleglos und hoffnungslos! Was diese Kin- der an Grauen sehen, was sie erleben müssen und was an ihnen geschieht, wenn nicht ein verantwort- licher und charaktervoller älterer Freund sich ihrer annimmt, das ist unmöglich zu beschreiben.
Ein Transport von ca. 120 Judenkindern ist mir in Erinnerung, die von SS mit geladenen Maschinen- Pistolen eskortiert, ins Lager verbracht wurden und ein paar Tage hier verweilten. Es waren lauter Ju- den, der älteste 15 Jahre. Die Kinder schrieen, als sie ins Bad gebracht wurden. Sie meinten, es ginge zur Vergasung. Das kannten sie von Auschwitz her. Der Älteste wurde von einem Priester angesprochen und sagte:„Wir wissen genau, was uns passiert, das- selbe, was unseren Bltern zugestoßen ist“. Tatsäch- lich hörte ich später, daß diese Kinder in einem Seitenlager Kaufbeuren durch Spritzen umgebracht worden sind.
119


