Man wurde solchem Todesgrauen gegenüber leicht abgestumpft, ja roh. Und wir danken es P. Kentenich, daß er immer wieder zur Besinnung und Betrachtung trieb und uns mahnte, unser seelisches Feingefühl den Dingen und Menschen gegenüber nicht zu verlieren.
Er zeigte uns das Lager als Demonstration des entgotteten und darum diabolisierten Menschen und bewahrte uns durch seine tägliche Betreuung davor, daß durch die zermürbende Lageratmosphäre unsere Seelen ermüdeten und verarmten; er half uns, daß wir das Lager wirklich als Probe der Heiligkeit und Schulung zu Kommendem benutzten.
Hier will ich nun erzählen von
Freunden im Lager.
Da war Marcel R., ein französischer Theologe aus Blois , gebürtig aus Louè. Ihn führte mir der liebe Gott geradewegs zu. Es war eines Tages in der Ernte. Wir waren in der„ Gärtnerei außen" mit Haferschneiden beschäftigt, eine Arbeit, die wegen der Abwechslung für uns schön, aber auch schwer war. Kräftige Russen gingen mit der Sense voran und wir mußten den ganzen Tag den stark mit Disteln verunkrauteten Hafer aufnehmen und binden. Da wir bereits zwei Tage so gearbeitet hatten, war ich am dritten Tag froh, als ich zum Aufstellen der Puppen abkommandiert wurde. Da konnte ich wenigstens meinen Rücken gerade machen. Die Freude war allerdings von kurzer Dauer. Der Kapo kommt auf mich zu. Er war Priester wie wir. ,, Nimm dich des kleinen Franzosen an!" Ich war wütend. Jetzt muẞte ich die schöne Arbeit verlassen und wieder hinter der Sense hergehen; und dann sah ich den kleinen Franzosen. Er war wirklich sehr klein, schmal und bleich und sah aus, wie ein Bübchen von 16 Jahren. Er reichte mir kaum bis an die Schultern. Er war
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