Leuchter waren zum Schluß schöne Einlegarbeit von Häftlingen aus den Tischlerbetrieben. So konnten wir jeden Morgen um 4 Uhr einen Gottesdienst hal- ten, bevor das Lager aufstand.
Das wäre soweit gut gewesen, wenn die Enge nicht gewesen wäre. So wurde auch der Gottesdienst wieder zu einer Tortur.: Wir standen beim Gottes- dienst wie die Heringe im Raum, nur die Vordersten konnten den Altar sehen, die anderen mußten sich mit der Gegenwart begnügen; aber auch das bedeu- tete uns viel. Anfänglich war es nur deutschen Prie- stern gestattet, an dem Gottesdienst teilzunehmen. Später, d.h. im letzten Jahre, oder besser gegen Ende des letzten Jahres, lockerte sich die Aufsicht nach der Richtung— mit der Zahl der Häftlinge verlor die SS, die sowieso durch Abgang an die Front zu- sammengeschrumpft war, den Überblick—, sodaß wir wenigstens am Sonntag stillschweigend auch Gottesdienst für die polnischen Priester hatten. Ja,
‘in der letzten Zeit wurde von morgens bis abends
Gottesdienst gehalten, freilich nur an Sonntagen. Wie leid tat es uns, daß wir keine Laien zulassen durften und es waren tausend und abertausend im Lager, die gerne, allzugerne einen Gottesdienst besucht hätten. Das aber war strengstens untersagt und Spitzel in der Hand der Lagerleitung wachten dar- über. So mußte an Sonntagen der Blockschreiber und Blockpförtner sich vorne hinstellen und uner- bittlich jeden zurückweisen, der sich etwa einschmug- geln wollte. Gleichwohl haben wir immer und immer wieder Laien eingeschmuggelt, allerdings mit größ- ter Vorsicht.
Es war oft rührend zu sehen, wie vor dem Stachel- draht, der den Block-Eingang absperrte, sich Laien während der Messe versammelten, um von dort aus ihr beizuwohnen; wie einer, der im Winter vom Polenblock her sich an ein Fenster geschlichen hatte, durch Hauchen das Eis zu entfernen suchte, um einen Blick auf den Altar zu gewinnen. Wie drin einer
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