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Gefangener der Gestapo / von Wilhelm Poiess
Entstehung
Seite
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lumpt ich allerdings aussah, bewies die erstaunte Frage eines Priesters vom Block 26:Ist der auch Priester?

Auf dem Zugangsblock gewinne ich auch einen Freund.

Mir fällt ein Häftling auf, der auf eine unnachahm- lich feine Art hilfsbereit ist. Bald bekomme ich her- aus, er ist auch Priester, Pole, und heißt Alois P. Da dieser bereits eine Woche auf dem Zugangsblock ist, so kennt er sich in vielen Dingen schon aus und hilft. Er besorgt mir eine Mütze, die man bei der Witterung und wegen des kahlgeschorenen Kopfes hier braucht. Er besorgt dem alten Herrn Kühnel, der ganz elend erkältet ist, einen Pullover; er ist unermüdlich, auch den anderen zu helfen. Wegen dieser Selbstlosigkeit gefällt er mir. Bald geraten wir in ernste Gespräche und er zeigt sich sehr in- teressiert für Schönstatt. Er scheint mir auch sehr geeignet dafür und ich hoffe im stillen, schon hier auf dem Zugangsblock einen für unseren Schönstatt-

kreis gewonnen zu haben. Sein Schicksal ist auch bezeichnend: er ist im Lager, weil er polnischen Gläubigen seiner Pfarrei auf polnisch Beicht hörte! Herr K. bekommt in diesen Tagen zum erstenmal men schrecklichen Durchfall.

. Wie schlimm das unter diesen Umständen ist, erlebe ich nun. Der arme Herr liegt im Schlafsaal zwischen sechs anderen eingepfercht, muß oft und oft des nachts heraus. Die Kameraden werden ungeduldig, er selbst gerätin peinliche Lagen, aber selbst in den de- mütigendsten Umständen sind immer Hunderte um einen herum. Man spottet über ihn und eines Tages schlägt ihn der russische Dolmetscher mit voller Wucht ins Gesicht, weil er das fürchterliche Ver- brechen begangen hat, seine Holzpantine, in die er eine Schnur einziehen wollte, auf die Tischkante zu stellen.