große seelische Aufregung, weil Dinge gefunden werden können, die verboten sind, z.B. schwarze Briefe, Aufzeichnungen, die man Sich gemacht hat und die man ja irgendwo aufbewahren muß und an- deres mehr. Am Abend. nach der Filzung ist dann das gesamte Inventar regellos auf der Blockstraße verstreut und die Häftlinge, hunderte auf dem Block, müssen zusehen, wie sie wieder zu dem Ihren kom- men und Ordnung schaffen. Am Samstag wiederholte sich dann dieses Theater.
So hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben,
Pfingsten zu meinen Mitbrüdern
zu kommen. Außerdem wird unsere Absperrung ver- schärft, wegen wirklich aufgetretener. Seuchenfälle und noch ein drittes Unglück kommt hinzu. Mein Fieber steigt und ich fühle mich am Pfingst-Samstag sehr elend. Wieder ist P. Kentenich der rettende Engel. Er bringt mir Novalgin-Chinin und, nachdem ich eine ziemlich heftige Dosis davon genommen, schwitze ich in der Nacht zweimal ein Hemd durch. Am Pfingstmorgen scheint aber das Fieber wirklich gebrochen. So schwach ich auch bin, freue ich mich doch, als P. Fischer mich und drei andere Priester von der Stube abholt. Er hat den Pförtner mit Zigaret- ten bestochen und es gelingt uns auch, vom Stuben- ältesten oder Blockältesten ungesehen, zu entkommen. Ein wirklich„dreispänniges“ Amt erlebe ich nun mit Predigt und mehrstimmigem Gesang und danach kann ich noch mit meinen Mitbrüdern zusammen Kaffee trinken. Wie groß diese Pfingst- und Namenstagsfreude für mich ist, das zu schil- .dern ist einfach unmöglich. Man bedenke, daß ich nun 18 Monate in Einzelhaft gewesen war, man be- denke alle Ereignisse der letzten Tage und halte da- gegen die himmlische Schönheit des liturgischen Amtes.
Dann müssen wir wieder auf unseren Block zurück. Aber die Freude des Wiedersehens ist groß. Wie zer-
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